Sterne, Eislauf und Schoko-Münster

teli

Von teli

Sa, 07. Dezember 2019

Offenburg

BLICK INS ELSASS: Die "Weihnachtshauptstadt" Straßburg lockt mit Neuheiten / Große Zukunftspläne für die Stadtautobahn.

STRASSBURG (teli). Es ist nur ein Katzensprung von der Ortenau ins Elsass und in die quirlige Europastadt Straßburg. Was sich jenseits des Rheins tut, beleuchtet unser "Blick ins Elsass".

Ungestört Flanieren

Seit Jahrzehnten findet der Weihnachtsmarkt nicht nur auf dem Place Broglie statt, sondern auch vor dem Straßburger Münster. Zum ersten Mal ist in diesem Jahr das Liebfrauenwerk mit einem eigenen Stand eben dort vertreten. Ein Teil des Verkaufserlöses ist für die Renovierung der Kathedrale vorgesehen. Angeboten werden Produkte von Partnern der Münsterbauhütte, so etwa des Winzerkellers Roi Dagobert aus Traenheim, von dem auch der Pinot Gris kam, der anlässlich des 1000. Jubiläums der Grundsteinlegung für das Münster verkauft wurde. Oder der Chocolatier Julien Kautzmann, der zum Jubiläum in 200 Arbeitsstunden ein 55 Kilogramm schweres Münster aus Schokolade her- und im Schaufenster seines Ladens ausgestellt hatte. Er hat Schokoladentafeln mit der Münstersilhouette graviert und auch die Rosette mit Schokolade gegossen. Sandsteine kann man am Stand ebenso bekommen wie von Steinmetzen gefertigte Reproduktionen. Die Eisflächen, welche die Wasserbecken auf dem Kléber-Platz bedecken, laden wieder zum Schlittschuhlaufen ein, von Montag bis Donnerstag, jeweils von 14 bis 20 Uhr, freitags von 14 bis 21 Uhr, samstags von 11 bis 22 Uhr und sonntags von 11 bis 20 Uhr. Schlittschuhe können ausgeliehen werden. Der umgestaltete Quai des Bateliers ist mit mehr als 600 leuchtenden Sternen geschmückt; Fußgänger können hier von Autos ungestört flanieren.

Park aus 85 000 Bäumen

Die Straßburger Stadtautobahn, die zu den am stärksten befahrenen Straßen in ganz Frankreich gehört, soll sich in den nächsten 15 Jahren in einen riesigen Park verwandeln – 85 000 Bäume sollen dort gepflanzt werden. Quasi im Gleichschritt mit dem Bau der Westumfahrung der Europastadt schreiten die Planungen für dieses gigantische Projekt voran. Dabei geht es nicht darum, die Autobahn auf 27 Kilometern Länge komplett zurückzubauen, vielmehr ist vorgesehen, die Höchstgeschwindigkeit für die Fahrzeuge deutlich zu reduzieren, die Pannenstreifen und alle weiteren Attribute einer Autobahn zu entfernen und Fahrspuren für den öffentlichen Nahverkehr, Elektroautos und Fahrzeuge von Fahrgemeinschaften zu reservieren. 200 Hektar Fläche sollen entsiegelt werden und Platz für 85 000 Bäume bieten – das sind etwa so viele wie aktuell in den öffentlichen Grünräumen Straßburgs stehen, wie die Eurométropole in ihrer Pressemitteilung schreibt. Das ausgewählte Planungsbüro schlägt vor, einige Abfahrten zu schließen und komplett in Parkflächen umzuwandeln sowie Stege zu errichten, über welche Fußgänger und Radfahrer die Straße überqueren können. Allein für die Voruntersuchungen und die Planung, die im März beginnen soll, steht eine Million Euro zur Verfügung; weitere 20 Millionen sind für die Umgestaltung der Stadtautobahn vorgesehen.

Bio-Fois-Gras

Seit drei Jahren versucht Marcel Metzler in Gueberschwihr gemeinsam mit dem landwirtschaftlichen Gymnasium von Rouffach Fois Gras herzustellen, ohne dafür Gänse mechanisch zu stopfen und damit zu quälen. Zum Weihnachtsfest wird es die Bio-Gänseleber noch nicht auf dem Markt geben, Ende 2020 könnte es jedoch laut der elsässischen Tageszeitung Dernières Nouvelles d’Alsace soweit sein. Die Idee von Marc Metzler macht sich den Fresstrieb der Gänse zunutze, den diese verspüren, um sie sich auf den Flug ins Winterquartier vorzubereiten. Er fördert ihre natürliche Fresslust durch eine Futtermischung aus Früchten und Gemüse, deren Rezeptur er geheim hält. Mit dem Verfahren ist es ihm gelungen, dass Gänse eine Fettleber mit einem Gewicht von 480 Gramm entwickelten – für die Herstellung von Fois Gras sind 400 Gramm das Minimum. Jetzt kommt es darauf an, ob Marc Metzler für seine Methode das Bio-Label bekommt, das voraussetzt, dass die Gänse nicht gestopft werden und der Prozess, der bei ihnen zur Fettleber führt, jederzeit umkehrbar ist.

Zu viel Leerstand

Immer noch stehen auf dem Gebiet der Eurométropole 3400 Wohnungen, die in Privatbesitz sind, leer – 2000 davon in Straßburg selber. Angesichts des Wohnungsmangels wurde bereits 2016 eine Initiative gestartet, die darauf abzielte, mehr Hauseigentümer dazu zu bringen, ihre Wohnungen wieder zu vermieten. 230 Wohnungen konnten so dem Wohnungsmarkt zugeführt werden. Weitere sollen folgen. Die Verwaltung der Eurométropole schreibt Hauseigentümer mit ungenutztem Wohnraum an und schickt ihnen Fragebögen zu. Etwa 30 Prozent antworten. Die meisten der vakanten Wohnungen gehörten privaten Besitzern, die oft nur ein Appartement zu vermieten hätten. Aufgrund von schlechten Erfahrungen mit Mietern oder weil teure Renovierungsmaßnahmen anstünden, scheuten sie sich, neue Bewohner zu suchen. Das Wichtigste sei daher die enge Begleitung der Hausbesitzer, hat Syamak Agha Babaei, Vizepräsident der Eurométropole, festgestellt. Dazu kommen Steuervorteile: Wer seine Wohnung für mindestens drei Jahre wieder vermietet, kann einen Steuernachlass auf die Einnahmen von bis zu 85 Prozent bekommen, heißt es in einem DNA-Bericht. Das gilt vor allem für die Wohnungseigentümer, die zu sozialen Konditionen vermieten oder ihre Wohnung einem Sozialen Wohnungsbauunternehmen zur Vermietung übertragen.