Job-Start-Börse 2019

"Stolz auf den alternativen Karriereweg" – Studienzweifler und -abbrecher

Sarah Schädler

Von Sarah Schädler

Mo, 27. Mai 2019 um 13:19 Uhr

Anzeige Das Studium ist doch nicht das Richtige? So kann ein Wechsel vom erfolglosen Studium zur Ausbildung gelingen.

Julius ist 25 und hat gerade eine Lehre als Koch begonnen. Schnibbeln, braten, backen, kochen, garnieren. Schon als kleiner Junge habe ihm der Beruf gefallen. Leicht sei ihm die Entscheidung für eine Ausbildung dennoch nicht gefallen. "Nach der Schule bin ich wie die meisten meiner Mitschüler an die Uni gegangen. Mit dem Abitur in der Tasche war das irgendwie logisch für mich." Schon im ersten Semester habe er bemerkt, dass das Studieren nichts für ihn ist. "Ich glaube nicht, dass es viel mit dem Fach selbst zu tun hatte", sagt Julius, der Geschichte und Englisch auf Lehramt studierte. Das Praktische habe ihm gefehlt. Und der persönliche Bezug. Von Beginn an spielte der Student mit dem Gedanken, seine universitäre Karriere an den Nagel zu hängen. Getraut habe er sich dennoch nicht.

Diese Unternehmen stellen sich bei der Job-Start-Börse 2019 vor:



Die Veranstaltung "Alternative Karrierewege" gab Julius dann den nötigen Impuls. "Einmal im Jahr veranstalten wir in Zusammenarbeit mit der Universität und der Arbeitsagentur Freiburg einen Infoabend für Unentschlossene in der Universitätsbibliothek Freiburg", erklärt Sonja Weber von der IHK Südlicher Oberrhein. "Experten aus der Berufsvermittlung, der Wirtschaft, dem Handwerk und der Studienberatung kommen zusammen, um Unentschlossene zu beraten, alternative Perspektiven und mögliche Optionen aufzuzeigen." Dabei müsse es nicht gleich zu einem Studienabbruch kommen, betont Weber. Trotzdem sei das Studium nach dem Abitur nicht für jeden der goldene Weg. "Wir schauen ganz individuell, was zu der Person passt, welche Möglichkeiten es gibt und wie man diese am besten umsetzen kann", erklärt die Berufsberaterin aus Offenburg. In manchen Fällen ist es auch möglich, die Ausbildungszeit durch im Studium erbrachte Studienleistungen zu verkürzen.

"In den vergangenen Jahren stellen wir fest, dass der Zulauf auf Studiengänge sehr stark ist, was auch weiterhin zu hohen Studienabbrüchen führt", sagt Christian Ramm, Chef der Arbeitsagentur Freiburg. Dabei müsse eine Ausbildung für den Karriereweg nicht unbedingt schlechter sein als ein Studium. Zudem hindere eine Ausbildung zu absolvieren nicht daran, irgendwann später einen Studienabschluss zu erwerben, sagt Ramm. 150 bis 200 Studierende besuchen die einmal im Jahr stattfindende Veranstaltung "Alternative Karrierewege". Zudem gibt es die Möglichkeit, sich beim Service-Center in der Freiburger Sedanstraße beraten zu lassen. Die Berufsberatung der Arbeitsagentur hat dort drei Büros, die sich um die Belange von Studierenden kümmern.

"Studienabbrecher sind gern gesehen bei den Betrieben", sagt Sonja Weber. Fachkräftemangel herrscht. "Ausbildungsbetriebe sind immer auf der Suche nach jungen Menschen mit guten sprachlichen Fähigkeiten, die sich selbst organisieren können." Auch die Job-Start-Börse sei laut Weber eine Möglichkeit, einen Überblick über alternative Ausbildungsmöglichkeiten zu bekommen. Suchende können vor Ort mit dem Unternehmen in Kontakt treten, vielleicht ein Praktikum vereinbaren und mit den Azubis über ihre Erfahrungen sprechen. Zum Hintergrund: Seit fünf Jahren nimmt jährlich mehr als eine halbe Million junger Menschen ein Studium auf. Damit liegt die Studienanfängerquote bei mehr als 50 Prozent. Das geht aus dem Bildungsbericht des Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) für das Jahr 2018 hervor. Dies liege vor allem an den veränderten Bildungsentscheidungen der Jugendlichen, die heutzutage häufiger über eine Studienberechtigung verfügten.

Gleichzeitig zeigt eine Studie des DZHW aus dem Jahr 2017, dass 29 Prozent aller Bachelorstudierenden ihr Studium abbrechen. Julius hat seine Entscheidung, das Studium abzubrechen und eine Lehre als Koch zu beginnen, nicht bereut. "Ich bin viel zufriedener. Natürlich gibt es auch Tage, an denen mir der Weg zu Arbeit nicht so leicht fällt. Insgesamt bin ich aber sehr glücklich mit dem, was ich mache. Und stolz auf meinen alternativen Karriereweg."