Straßburger Trio nach Diebstahlserie vor Gericht

Winfried Köninger

Von Winfried Köninger

Fr, 10. Juli 2020

Offenburg

Vor allem in Bahnhöfen und Gaststätten lenkten ein oder zwei Täter ihre Opfer ab, ein dritter Täter griff zu / Festnahme in Offenburg.

. Ein Großaufgebot an Prozessbeteiligten hat das Amtsgericht Offenburg veranlasst, einen Strafprozess aus Platzgründen in den großen Sitzungssaal des Landgerichtes zu verlegen. In der Anklageschrift von Staatsanwalt Lukas Zeitler wird drei in Frankreich wohnhaften Angeklagten im Alter von 24 bis 28 Jahren eine Diebstahlserie in 19 Fällen, verbunden mit Widerstand gegen die Staatsgewalt vorgeworfen.

Der Umzug war unter Corona-Bedingungen notwendig geworden, weil neben der Vorsitzenden Richterin Marion Pabst, dem Staatsanwalt, sowie den drei Angeklagten weitere drei Dolmetscher, drei Rechtsanwälte als Pflichtverteidiger und sechs Vollzugsbeamte als Begleiter der inhaftierten Angeklagten den Raum füllten.

Das in Straßburg wohnhafte Trio soll laut Anklage Diebstähle im Freiburger und Offenburger Raum in 19 Fällen begangen haben. Die Taten konzentrierten sich vorwiegend auf Gaststätten und auf Bahnhöfe. Dabei gingen die Täter in der Regel nach ähnlichem Muster vor: Während ein oder zwei der Täter das Opfer durch Gespräche ablenkten oder den Blick auf das Diebesgut verstellten, griff der dritte Täter zu. Das Trio hatte es im Wesentlichen auf Bargeld, Handys, Smartphones und EC-Karten abgesehen.

Dieser Trick gelang ihnen 18 Mal, bis zur 19. und somit der letzten Tat "der Schlagbaum fiel": Am Offenburger Bahnhof warteten sie einen IC Zug ab, der laut Fahrplan am Bahnhof einen Aufenthalt von zehn Minuten haben sollte. Dort betraten sie ein Erste-Klasse-Abteil. Einen Fahrgast verwickelten zwei der Angeklagten in ein Gespräch, das mit einem Dank und Handschlag endete. In dieser Zeit griff sich der dritte Täter den Rucksack des Fahrgastes und verschwand nach außen. Dies bemerkte der Fahrgast und rannte dem Tätern hinterher. Quer über den Bahnsteig schrie er: "Hier ein Überfall, bitte die Polizei!" Und wurde gehört.

Ein aufmerksamer 20-jähriger Auszubildender, der am Bahnsteig auf den nächsten Zug wartete, verfolgte daraufhin den mutmaßlichen Tätern. Am Treppenabgang zur Unterführung stolperte dieser, und dem jungen Mann gelang es den Rucksack an sich zu nehmen und ihn dem rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben. Laut dessen Angaben waren im Rucksack Bargeld und Wertsachen im Wert von 4000 Euro. Der beherzte junge Mann alarmierte mit seinem Handy die Polizei und verfolgte die Tätern solange zu Fuß, bis die Polizei eintraf. Das dauerte sieben Minuten. Über den Telefonkontakt konnte er die Polizei ständig über den Fluchtweg des Diebestrios auf dem Laufenden halten.

Es kam dann in der Offenburger Oststadt zur Festnahme, aber nicht ohne Gewaltanwendung. Die Täter beleidigten nach Aussagen von Zeugen die Beamten und versuchten auch mit Fußtritten "sich Freiraum" zu verschaffen. Ein mutmaßlicher Täter flüchtete vor der versuchten Festnahme auf ein Garagendach. Dennoch konnten ihm die Beamten auf dem Dach wurden Handschellen anlegen.

Es wurden bei den Tätern Drogen und gestohlene Handys sicher gestellt. Die Auswertung der Handys führte zu den zuvor, vor allem im Freiburger Raum, begangenen Straftaten. Mittels Fingerabdrücken und weiteren kriminaltechnischen Hilfen konnten dem Trio insgesamt 18 Straftaten nachgewiesen werden.

Bei der Vernehmung bestritten die Angeklagten weitgehend die Taten. Das war dann auch der Grund dafür, dass Richterin Marion Pabst den Vorschlag des Pflichtverteidigers Joachim Lederle zu einem Verständigungsgespräch ablehnte. Den Antrag begründete Lederle mit dem unverhältnismäßig großen weiteren personellen und zeitlichen Aufwand im Vergleich zu den Taten, die immer nach ähnlichem Muster abliefen. Das Verfahren könne man beschleunigen. In der Tat sollen für das Verfahren 13 Zeugen, mit zum Teil längeren Anfahrten, gehört werden.

Der Prozess wird am 17. Juli mit den Plädoyers und der Urteilsverkündung fortgesetzt.