Tiefgreifender Wandel

Holger Schindler

Von Holger Schindler

So, 05. Mai 2019

Wirtschaft (regional)

Der Sonntag Die Mercedes-Autohausgruppe Kestenholz geht mit guten Zahlen in die Zeit des großen Umbruchs.

In den kommenden Wochen beginnt bei Mercedes-Kestenholz der Verkauf des Modells EQC. Ein Novum: Es handelt sich um ein rein elektrisch betriebenes SUV-Fahrzeug – das erste eigens konstruierte Elektromodell des schwäbischen Herstellers. Der EQC steht sinnbildlich für den Wandel, der auf die gesamte KFZ-Branche zukommt und damit auch auf Kestenholz. Die Basler Autohaus-Gruppe, die in Südbaden mit fünf Standorten vertreten ist, hat im vergangenen Jahr bei Umsatz und Absatzzahlen merklich zugelegt und arbeitet gerade ein 25 Millionen Euro schweres Investitionsprogramm ab. "Aber vor uns liegen spannende Zeiten", räumt Thomas Kestenholz ein, Verwaltungsratsmitglied und Geschäftsführer für die Deutschlandsektion des Unternehmens. Bei der Vorstellung der Geschäftszahlen wurde klar, dass das Management Umbrüche in einem nicht gekannten Ausmaß erwartet.

"In den nächsten Jahren werden wir einen Wandel durchmachen, wie wir ihn wohl bislang alle noch nie erlebt haben", erklärt Thomas Kestenholz. Er zählt vier Entwicklungen auf, von denen jede für sich das Potenzial hat, den KFZ-Markt umzukrempeln, die aber nun gleichzeitig ablaufen und sich in der Wirkung addieren. Erstens rollt jetzt die forcierte Einführung von Elektro- und Elektrohybridfahrzeugen an. Bei Mercedes steht dafür der neue EQC – doch das ist erst der Anfang. Bis 2022 will der Hersteller insgesamt zehn rein elektrische Modelle an den Start bringen und 50 zumindest teilweise elektrifizierte. Andere Hersteller gehen denselben Weg. Hinzu kommt zweitens die digitale Vernetzung der Autos. Schon heute rufen Fahrzeuge etwa eigenständig Hilfe bei einem Unfall oder informieren die Werkstatt, wenn ein technisches Problem auftritt. Drittens verschiebt sich die Perspektive der Verbraucher, die dem Produkt Auto tendenziell weniger und der Dienstleistung Mobilität mehr Bedeutung beimisst. "Der Kunde will ein bestimmtes Ziel möglichst komfortabel und wirtschaftlich erreichen", erklärt Volker Speck vom Kestenholz-Führungsteam.

Mercedes hat daher eine eigene Mobilitäts-App entwickelt, bei der Mercedes-Fahrzeuge nur ein Mobilitätsbaustein unter zahlreichen anderen sind. Viertens schließlich werden autonom fahrende Autos den Umgang mit dem Thema Mobilität tiefgreifend verändern.

Immerhin geht Kestenholz mit guten Zahlen in die Ära der großen Fragezeichen. In Deutschland, wo das Unternehmen in Freiburg, Bad Säckingen, Lörrach, Weil am Rhein und Efringen-Kirchen vertreten ist, wurden 2018 insgesamt 2724 Neufahrzeuge verkauft – 50 Stück oder 1,9 Prozent mehr als im Jahr davor. Bei den Gebrauchten waren 2450 verkaufte Einheiten zu verzeichnen, 89 oder 3,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Gesamterlöse in Südbaden inklusive Service und Ersatzteilen wuchsen um 22,4 Millionen auf nun 212,4 Millionen Euro. Die Zahl der Mitarbeiter stieg um 26 auf nun 431, davon 52 Azubis. Holger SChindler