Tipps für Einsteiger

Touren, Tickets und Transfer: So gelingt die erste Radwanderreise

Catharina Puppel

Von Catharina Puppel (dpa)

Sa, 20. Juli 2019

Reise

Gute Vorbereitung spart Zeit und Nerven: So findet man Tickets, Hotels und die passende Tour.

Durchschnittlich 70 Kilometer am Tag legen Radurlauber auf Streckenfahrten zurück. Bei Sterntouren mit fixem Standort sind es immerhin noch täglich 40 bis 60 Kilometer Wegstrecke. Solche Distanzen lassen sich nur mit guter Planung schaffen. Zumal man eher Spaß an der Tour hat, wenn das Drumherum wie Hotels und Transfers passt. Die Planungstipps für den ersten Radurlaub:

Bahntickets reservieren
Für die An- und Abreise zum Urlaubsort, aber auch für einzelne Transfers bietet sich die Fahrradmitnahme in der Bahn an. In Intercity- und Eurocity-Zügen sowie im ICE gibt es aber nur begrenzt Stellplätze. Außerdem wird die Mitnahme im ICE nur für ausgewählte Verbindungen angeboten. Louise Böhler vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) rät daher, gleich eine Fahrkarte zu buchen, die eine Reservierung für einen Stellplatz für das Fahrrad enthält. Vor allem in den Ferien und an Feiertagen seien die Kapazitäten in den Zügen rasch ausgebucht.
Radler-Hotels finden
Natürlich lässt sich ein Fahrrad überall parken. Wer aber gesicherte Stellflächen sucht, braucht Hotels mit Angeboten speziell für Radler. Recherchieren lassen sie sich zum Beispiel über die ADFC-Plattform http://www.bettundbike.de mit rund 5800 radfahrerfreundlichen Gastbetrieben in Deutschland und Österreich – vom Hotel über Pensionen und Ferienwohnungen bis zum Campingplatz. Aber auch viele Hotelportale bieten Unterkünfte mit Extras für Radler.

Zu den Qualitätsanforderungen des ADFC gehört, dass es für Radfahrer keine Mindestzahl an Übernachtungen gibt – viele wollen auf der Tour ja nur für eine Nacht am selben Ort bleiben. Zudem müssen die Unterkünfte Werkzeug, einen abschließbaren Raum für Fahrräder sowie Möglichkeiten zum Trocknen von Kleidung und Ausrüstung haben.
Leihräder am Urlaubsort
Eine Option sind Leihräder am Urlaubsort, die gerade in Großstädten weit verbreitet sind. Aber auch in ländlichen Gegenden bieten viele Hotels inzwischen Mieträder an. Allerdings handelt es sich häufig um Alltags- oder Stadträder. Für sportlichere Varianten lohnt es sich zum Beispiel, in lokalen Sportgeschäften nachzufragen. Auch Skiverleiher setzen im Sommer häufig darauf. Wer E-Bikes sucht, findet online Vermittlungsportale wie Travelbike.com. Allerdings berichtet ADFC-Expertin Böhler, dass derartige Angebote noch nicht überall in gleichbleibender Qualität verfügbar sind.

Flussradwege zum Einstieg
Es soll die erste Tour werden, und Sie fahren bislang nicht viel Rad? Ungeübten und Familien mit Kindern rät Böhler zu flachen Strecken, etwa auf Flussradwegen. Möglich sind auch kombinierte Trips mit Rad und Übernachtung auf dem Schiff. Und wer in einer trainierten Gruppe mithalten will, sollte besser ein E-Bike nutzen.

Ganz entspannt radeln: Das E-Bike gibt vielen Reisenden, die nicht auf Strapazen im Urlaub aus sind, neue Möglichkeiten. Mit motorisierter Unterstützung seien Steigungen von 150 Höhenmetern keine Schwierigkeit, erläutert Thomas Eberl von der Mecklenburger Radtour. Das Unternehmen erweitert deshalb sein Angebot: "Wir entdecken gerade den Harz neu." Die neuen Strecken sind nicht unbedingt länger, sondern führen etwas höher hinauf.

Im hügeligen Gelände rechts und links des Weser-Radweges sieht der Fahrradprofi ebenfalls Potenzial für weitere individuelle Touren. Ähnlich sieht das Wolfgang Sareiter von Feuer und Eis Touristik, einem Anbieter von Aktivreisen im Alpenraum. Die Nutzung von E-Rädern steigere das Interesse an diesem Ziel, wobei bereits aktuell 50 Prozent seiner Kunden mit Motor unterwegs seien.
Organisation sparen
Die meisten Radler sind individuell unterwegs und planen die Reise selbst. Wem das zu mühsam ist, der findet viele organisierte Radtouren für Gruppen. Bei den geführten Touren, die zu einem festgelegten Termin stattfinden, ist die Fahrradmiete in der Regel im Preis inkludiert und die Räder werden vom Veranstalter oder über regionale Partner gestellt. Vor allem Alleinreisende schätzten das gemeinsame Erlebnis in der Gruppe, berichtet Eva Machill-Linnenberg von Wikinger Reisen. Wer lieber ungestört mit Freunden oder Partner unterwegs sein möchte, kann die ausgearbeiteten Routen individuell buchen. Der Vorteil: Reiseverlauf und Etappenbeschreibungen mit GPS-Daten werden vom Veranstalter ausgearbeitet. Zeitpunkt, Anreisetag und Verweildauer sind flexibel buchbar. Unterkünfte, Gepäcktransport, Ansprechpartner vor Ort sowie eine Notfallrufnummer gehören zum Pauschalpaket. Für Leihräder fallen zusätzliche Kosten an.

Trendziel Deutschland
Rund 70 Prozent der Radurlauber bleiben laut ADFC-Analyse in Deutschland. Hier gibt es schließlich eine große Auswahl: Das Radwegenetz in Deutschland umfasst allein 250 Fernradwege. Dazu zählt der Weser-Radweg, der bis zur Nordsee führt. Er habe den Fernradwegen an Elbe und Donau den Rang abgelaufen, so die Radreiseanalyse 2019. Die Region selbst liege hinter Bayern und dem Münsterland auf Rang drei der beliebtesten Radregionen Deutschlands.

Rad vorbereiten
Einfach auf den Sattel schwingen und los? Das ist nichts für eine echte Radreise. Thomas Eberl vom Veranstalter Mecklenburger Radtour rät, Nabe und Kette vor der Tour zu überprüfen und die Kette gegebenenfalls nachziehen zu lassen. Sitzhöhe und der Reifendruck müssen stimmen. Sein Tipp: Gepäcktaschen immer hinten befestigen und auf Handy oder Navis verzichten. Die Displays lassen sich bei Sonneneinstrahlung häufig nicht gut lesen. Besser sei daher eine Lenkertasche mit Karteneinsatz.

Radreisen im Aufwind
Reisen und radeln – diese Kombination ist zunehmend beliebt: Die Zahl der Radurlauber in Deutschland ist deutlich gestiegen. 2018 erreichte sie laut der ADFC-Radreiseanalyse 5,5 Millionen – ein Plus von 27 Prozent zum Vorjahr. Der Trend zum Elektrofahrrad setzt sich ebenfalls fort: Rund ein Viertel der Urlauber war 2018 mit einem E-Bike unterwegs, im Jahr davor waren es lediglich 18 Prozent. Neben den mehrtägigen Radreisen gab es im Jahr 2018 laut der Studie insgesamt 258 Millionen Tagesausflüge mit dem Zweirad.