Schritte gegen das Coronavirus

Treffen von mehr als zwei Menschen werden verboten – Ausnahmen für Familien

dpa, Roland Muschel, Karl Heidegger

Von dpa, Roland Muschel & Karl Heidegger

So, 22. März 2020 um 16:22 Uhr

Deutschland

Bewegung an der frischen Luft bleibt erlaubt, aber Treffen von mehr als zwei Menschen werden eingedämmt: So lässt sich die Strategie zusammenfassen, mit der die Verbreitung des Coronavirus in Deutschland verlangsamt werden soll.

Aktualisiert um 17.30 Uhr

Bund und Länder wollen im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus dafür sorgen, dass die sozialen Kontakte weiter reduziert werden. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder einigten sich am Sonntag bei einer Telefonkonferenz darauf, Zusammenkünfte von mehr als zwei Menschen grundsätzlich zu verbieten. Ausgenommen werden sollen Familien sowie in einem Haushalt lebende Personen. Die Regelung gilt zunächst für 14 Tage. Das Arbeitsleben – also auch Büros, Betriebe und andere Unternehmen – sind nicht von ihr betroffen.

Gaststätten und Friseursalons müssen dicht machen – bundesweit

Zudem sollen Restaurants und Gaststätten unverzüglich schließen – wo dies noch nicht der Fall ist. "Davon ausgenommen ist die Lieferung und Abholung mitnahmefähiger Speisen für den Verzehr zu Hause", heißt in dem Beschluss.

Geschlossen werden außerdem Dienstleistungsbetriebe im Bereich der Körperpflege. Davon betroffen sind etwa Friseure, Kosmetikstudios, Tattoo-Studios und Massagesalons. Besonders die Tatsache, dass Friseursalons vielerorts noch geöffnet hatten, hatte in den vergangenen Tagen für Irritationen gesorgt.

300.000 Infektionen weltweit

Unterdessen müssen die verzweifelt zusehen, wie alle noch so drastischen Maßnahmen gegen eine weitere Ausbreitung des Virus noch keine Erfolge bringen. Fast 800 Tote an einem einzigen Tag – die furchtbare Zahl vom Samstag zeigt eindeutig, wie notwendig harte Schritte sind. Italien hat zwar längst weitreichende Ausgangssperren verhängt und schränkt nun auch die Arbeit in vielen Unternehmen radikal ein. Doch die Wirkung all solcher Maßnahmen ist bei einer Infektionskrankheit wie Covid-19 erst rund zwei Wochen später zu erkennen.

Trotz des weltweiten Kampfes gegen die neuartige Lungenkrankheit Covid-19 haben sich nach Angaben von US-Experten mittlerweile weit mehr als 300.000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Mehr als 13.000 Covid-19-Tote seien bisher gezählt worden, berichteten die Wissenschaftler der US-Universität Johns Hopkins am Sonntag weiter.

Regelungen werden strenger – auch in Baden-Württemberg

Die jetzt beschlossenen Schritte von Bund und Ländern gehen über die Regelungen hinaus, seit seit Freitag für Baden-Württemberg galten – hier waren bisher noch Treffen von drei Personen erlaubt. Die Marschroute für ganz Deutschland wird stattdessen dem bayerischen Modell angeglichen.



"Das öffentliche Leben wird weitgehend runtergefahren, aber wir machen Baden-Württemberg nicht komplett dicht." Winfried Kretschmann
Im Freistaat gilt bereits jetzt eine Ausgangsbeschränkung, die strenger ist als in vielen anderen Bundesländern. Die Menschen dürfen demnach die eigene Wohnung nur noch verlassen, wenn sie dafür einen triftigen Grund haben. Dazu gehören etwa der Weg zur Arbeit, notwendige Einkäufe oder Arztbesuche. In weiten Teilen Südbadens sind die Regelungen bisher weicher. Spaziergänge – etwa in der Familie – mit Abstand zu anderen bleiben in jedem Falle möglich.

"Das öffentliche Leben wird also weitgehend runtergefahren, aber wir machen Baden-Württemberg nicht komplett dicht", sagte Ministerpräsident Kretschmann. "Die allermeisten Menschen halten sich inzwischen an die Vorgaben, die Corona-Partys sind verschwunden", lobte der Ministerpräsident. Zugleich sei die Situation in Baden-Württemberg besonders bedrohlich.

Streit zwischen Söder und Laschet

Bei den Beratungen von Bund und Ländern zur Corona-Krise hat es dem Vernehmen nach einen heftigen Streit zwischen CSU-Chef Markus Söder und NRW-Regierungschef Armin Laschet (CDU) gegeben. Laschet habe Söder demnach massiv attackiert, weil dieser bereits am Freitag "ohne Absprache" mit dem Bund und den anderen Ländern eigene Maßnahmen mit Ausgangsbeschränkungen für Bayern verordnet hatte. Söder habe daraufhin damit gedroht, die Schalte zu verlassen. Dies berichtete die "Bild"-Zeitung.