"Hilferuf" aus dem Wald

Werner Steinhart

Von Werner Steinhart

Mo, 15. April 2019

Ühlingen-Birkendorf

Reinhold Pix (MdL) zu Gast / Landrat und Forstamtsleiter fordern Unterstützung des Landes.

KREIS WALDSHUT/ÜHLINGEN-BIRKENDORF. "Wir müssen uns gemeinsam auf den Weg machen, denn mit Nichtstun ist die Katastrophe vorprogrammiert", so beurteilt Landrat Martin Kistler die Situation in den Wäldern. Langfristige Hilfen sieht er durch Fördermöglichkeiten durch das Land geboten. Bei einem Besuch des Landtagsabgeordneten Reinhold Pix (Grüne) brachten der Landrat, Förster und Waldbesitzer ihre Anliegen an die Politik vor.

Es war ein trauriges Szenario, das sich den Teilnehmern bei einer Exkursion durch Wälder auf der Gemarkung Ühlingen-Birkendorf bot. Die Waldflächen, die nicht vom Sturm zerstört wurden, werden jetzt vom Borkenkäfer bedroht. Schon der Anblick von der gegenüberliegenden Seite des Schlüchttals auf die Wälder auf Gemarkung Riedern erschütterte. Die Teilnehmer blickten auf einen sich in Auflösung befindlichen Fichtenbestand, der bereits in den 60er Jahren einsetzte. Permanent neue Käferbäume sorgen für weiteren Zerfall.

Die Teilnehmer trafen den Privatwaldbesitzer Anton Baumeister bei der Waldarbeit. Der Privatwaldbesitzer ist ein engagierter Freund des Waldes und fast täglich in seinem Wald auf der Suche nach eventuell befallenen Bäumen. Viele Kleinstparzellen an Privatwald und weniger engagierte Waldbesitzer machen laut Baumeister die Bekämpfung schwierig. Der Borkenkäfer ist auf dem Vormarsch, wo Waldbesitzer untätig sind.

Um die Wiederbewaldung nach Sturm und Käfer ging es bei der Besichtigung des Gemeindewaldes. Die Wiederbewaldung sei eine Entscheidung auf Jahrzehnte hinaus, betonte Landtagsabgeordneter Reinhold Pix. Wichtig seien klimastabile Wälder. Auch der Waldumbau müsse gefördert werden. Handlungsalternativen zeigte die Borkenkäfermanagerin Elena Kummer auf: Vom Einschlagen nur frisch befallener Bäume bis hin zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln als Ultima Ratio oder der letzten Alternative, dem Hacker-Einsatz. Und es bot sich den Teilnehmern zwar ein faszinierendes Bild eines modernen Holzhackers in Aktion an, gleichzeitig aber auch die traurige Gewissheit, dass die käferbefallenen Stämme an Wert verlieren.

"Wir haben im Landkreis Waldshut unser Haus bestellt." Mit diesen Worten wandte sich der Leiter des Kreisforstamtes, Helge von Gilsa, an den Landtagsabgeordneten und fügte hinzu: "Wir brauchen politisches Gehör in Stuttgart." Die Situation im Wald gehe mit solch einer Geschwindigkeit vonstatten, dass selbst die Förster überfordert seien und dies trotz Höchstleistungen, die sie täglich einbringen. "Die Förster brauchen Ihre Unterstützung", mit dieser Bitte zeigte von Gilsa die Anliegen des Forstes an die Politik auf. So sollte zunächst die Aufarbeitung von Kalamitätsholz gefördert werden. Ebenso sollte das Hacken als Alternative zum Pflanzenschutzmitteleinsatz gefördert werden. Auf der Ebene der Forstbetriebsgemeinschaften sollten Sammelanträge zu Fördermaßnahmen möglich sein. Auf die Zukunft gesehen wünscht sich der Forstamtsleiter Beratung und Forschung zum klimatauglichen Waldumbau.

Ein weiterer Punkt ist die Nutzung landwirtschaftlicher Flächen zur Holzlagerung. Bezüglich der Kleinstparzellierung mit unterschiedlichen Waldbesitzern im Privatwald hat Helge von Gilsa eine Vision: Den Gemeinschaftswald und Kleinstprivatwaldbesitzer zusammenzubringen. So bliebe der ideelle Anteil am Wald erhalten und am gemeinsamen Vermögen beteiligt. Eine Bewirtschaftung werde effizienter und einfacher. Eine Waldgemeinschaft gibt es schon in Wehr-Öflingen.

Die Gemeinsamkeit steht jetzt im Fokus, zusammen mit gemeinsamem Handeln. Für Reinhold Pix steht fest: "Die Schadensproblematik zeigt, dass die Herausforderungen gemeinsam angegangen werden müssen. Es muss eine Lösung geben." Er verschwieg auch nicht, dass die Forstreform "zum denkbar ungünstigsten Termin gekommen sei". Landrat Martin Kistler fordert eine unbürokratische Vorgriffslösung auf Förderung für die Privatwaldbesitzer. Der Landkreis habe seine Hausaufgaben in Sachen Forstreform vorbildlich gemacht und er freue sich, dass der Reformweg bei den Kommunen auf Gehör gestoßen sei.