Gefiederte Frühlingsboten

Störche aus Hugstetten brüten die Eier am schnellsten aus

Elena Hunn

Von Elena Hunn

Do, 04. April 2019 um 19:33 Uhr

Umkirch

In Buchheim, Umkirch und Hugstetten sind die Nester belegt. Bald werden die Störche Nachwuchs bekommen. Besonders schnell im Brüten sollen die Hugstetter Störche sein.

In den meisten Orten sind die Störche schon zurück, so auch in Hugstetten, wo das Storchenpaar seit Mitte Januar wieder auf dem Kirchturm sitzt und inzwischen dabei ist, fünf Eier auszubrüten. Laut Storchenbetreuer Hans Müller sind die Hugstetter Störche in den meisten Jahren die ersten, die brüten. Auch in Buchheim ist das Nest wieder belegt. In Umkirch freut man sich über alte Bekannte: Dasselbe Paar wie sonst auch ist wieder auf den Kirchturm der evangelischen Kirche zurückgekehrt.

Jede Gemeinde pflegt ihr Storchennest, hat Webcams installiert, um die Tiere beobachten zu können, gibt ihnen Namen – der Storch hat beinahe den Status eines Maskottchens. Doch woher kommt diese Faszination? "Weil es interessante Vögel sind", sagt Martin Kury, stellvertretender Vorsitzender des Vereins Weißstorch Breisgau. "Es macht Spaß, sie zu beobachten. Außerdem verbindet man viel Positives mit ihrer Rückkehr. Den Frühlingsanfang etwa, oder dass der Storch die Kinder bringt."

Störche sind für ihre Treue zum Partner bekannt

Auch für ihre Treue zum Partner sind Störche bekannt – eher ungewöhnlich in der Tierwelt. "Sie gewöhnen sich an den Anderen", vermutet Kury. Trennungen gebe es dennoch. "Bei Männchen gilt das Recht des Stärkeren, bei Weibchen verhält es sich umgekehrt." Das ältere Weibchen hätte das Vorrecht, sollte es das Männchen, das etwa zwei Wochen vor den Weibchen zurückkehrt, mit neuer Partnerin vorfinden.

Der Gundelfinger Storchenexperte Dieter Engelbrecht hat viel über das Verhalten von Störchen zu erzählen: "Weil Lurche selten geworden sind, hat sich der Speiseplan der Störche geändert. Regenwürmer, Mäuse und Insekten sind ihre Nahrungsgrundlage." Selbst für den bitterkältesten Winter lautet Engelbrechts dringliches Anliegen: "Nicht füttern!" Denn Störche, die zu viel Kontakt mit Menschen haben, seien nicht mehr selbstständig genug. Aus diesem Grund bestehe auch nur zweimal im Jahr Kontakt mit ihnen: Beim "Frühjahrsputz" des Nestes und beim Beringen der Jungen.

Den Störchen Namen zu geben, wie es manche Gemeinden tun, davon hält er nichts. "Störche sind Wildtiere", betont er. Ihnen einen Namen zu geben, bedeutet eine emotionale Verbindung einzugehen, ähnlich wie bei einem Haustier.

Störche suchen für ihre Nester auch ungewöhnliche Orte

Wer den Storch sucht, der findet ihn in vielen Gemeinden auf dem Dach der Kirche. "Die Gestelle, auf denen das fertige Nest thront, sowie Reisig zum Bau des Nestes stellen die Gemeinden", sagt Engelbrecht, denn: "Die Tiere finden nur wenig Baumaterial, unsere Landschaft ist zu aufgeräumt." Bauen sich die Störche ihre Nester selbst, geschieht das oft an ungewöhnlichen Orten, beispielsweise in Schallstadt, wo die Störche einen Abspannmast direkt an der Bahnstrecke zu ihrem neuen Zuhause auserkoren haben – ist das eine Gefahr für sie?

Gustav Bickel, Vorsitzender von Weißstorch Breisgau, erklärt: "Hochspannungsleitungen sind kein Problem, weil die Leitungen weit genug vom Mast entfernt sind." Zudem seien die meisten Strommasten gut abgesichert. "Bei Niederspannungsleitungen dagegen rufen wir den Energiebetreiber an, um das Nest entfernen zu lassen. Die Leitungen sind nahe am Mast, das ist eine Gefährdung." In der Umgebung gebe es 14 Nester, die auf Hochspannungsmasten gebaut sind.

In Hugstetten hat das Storchenpaar auf dem Kirchturm inzwischen fünf Eier, die nun fleißig bebrütet werden. Dass es zur Wochenmitte plötzlich kühler und nass wurde, ist laut Hans Müller keine Probleme. "Solange die brüten macht das nichts, anders wäre es, wenn die Jungen schon geschlüpft sind", sagt Müller. Er kann das Geschehen auf der Hugstetter Turmspitze bequem zuhause im Wohnzimmer verfolgen. Dort ruft sein Computer die Bilder aus der Nestkamera ab.

Dass Wiesen zunehmend Getreide- und Maisfelder weichen müssen, die Düngung von landwirtschaftlichen Flächen, der Rückgang an Insekten – "all das sind eher Dinge, die dem Storch das Leben in Zukunft erschweren könnten", sagt Martin Kury. Insgesamt sei die Population aber stabil. Gibt es doch einmal einen verletzten Storch, wird dieser zu Kurys Pflegestation in Reute gebracht – sie liegt in seinem eigenen Garten. Hier päppelt er verletzte Störche in einer großen Voliere wieder auf um sie im Herbst zum Flug gen Süden wieder frei zu lassen. "Das ist jedes Jahr ein emotionales Erlebnis", sagt Storchenexperte Dieter Engelbrecht.