Energiekonzept für Dietenbach

Und – zack – wird Dietenbach durch die CO2-Gutschrift klimaneutral

Dieter Seifried

Von Dieter Seifried (Freiburg)

Mo, 22. November 2021

Leserbriefe Freiburg

Zum Bericht "Braucht Dietenbach zu viel Strom?" (BZ vom 13. November).

Die Stadtverwaltung hat für Dietenbach ein Energiekonzept mit dem Effizienzhaus-Standard KfW 55 ausarbeiten lassen, dem der Gemeinderat unter Zeitdruck zugestimmt hat. Dass dieser ungenügende Effizienzstandard gewählt wurde, lässt sich nur dadurch erklären, dass bei Planungsbeginn die Klimadiskussion noch nicht die entscheidende Rolle gespielt hat.

Nun hat – welch Hinweis von oben – die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gerade verkündet, dass die Förderung von Effizienzhaus 55 im Januar 2022 auslaufen und nur noch der höhere Standard Effizienzhaus 40 gefördert wird. Sollen die zukünftigen Bauherren auf die beachtlichen Zuschüsse der KfW verzichten? Durch die derzeitige Planung kommt es also zu einem höheren Wärmebedarf und, da die Wärme durch zentrale, elektrisch betriebene Wärmepumpen erzeugt wird, zu einem deutlich höheren Strombedarf. Zusätzlich soll mittels Elektrolyse Wasserstoff produziert und die dabei anfallende Abwärme genutzt werden. Der Wasserstoff soll Diesel und Benzin im Verkehr ersetzen.

Und – zack – wird Dietenbach durch die CO2-Gutschrift für den im Mobilitätsbereich eingesetzten Wasserstoff klimaneutral! Allerdings nur auf dem Papier, denn die Berechnung ist nichts als ein kleiner, schmutziger Taschenspielertrick: Die Elektrolyse soll überschüssigen Ökostrom nutzen (27 Millionen Kilowattstunden pro Jahr!), der in die CO2-Bilanz für Dietenbach fast CO2-frei eingeht. Nur leider gibt es diesen Überschussstrom aus erneuerbaren Energiequellen weder heute noch in den nächsten 15 Jahren: Der aus Freiburger Energiequellen stammende Ökostrom liegt bezogen auf den Verbrauch deutlich unter 10 Prozent, in Baden-Württemberg liegt er bei etwa 30 Prozent. Wenn nun für die Elektrolyse zusätzlicher Strom benötigt wird, so muss er durch den Einsatz zusätzlicher fossiler Kraftwerke erzeugt werden. Anzunehmen, dass sich trotz Atom- und Kohleausstieg bei gleichzeitig raschem Wachstum der Elektromobilität Überschüsse aus Solar- und Windkraftwerken ergeben, ist bestenfalls naives Wunschdenken. Das beschlossene Konzept ist leider das Gegenteil von klimaneutral!
Dieter Seifried, Freiburg