Kolumne

Unesco, erhöre Belgien: Pommes Frites gehören zum Weltkulturerbe!

René Zipperlen

Von René Zipperlen

Mo, 22. März 2021 um 12:11 Uhr

Unterm Strich

Belgien will die Pommes Frites zum Weltkulturerbe erklären. BZ-Redakteur René Zipperlen hält das für eine gute Idee – denn die Belgier haben diese Methode der Kartoffelveredelung perfektioniert.

Leute, schmeißt die Fritteusen an, es gibt etwas zu feiern! Schluss mit dem schlechtem Gewissen – bald ist es für die kulturelle Bildung so wichtig, regelmäßig Pommes Frites zu essen wie Bach zu hören und Homer zu lesen. Belgien will sie jetzt zum Weltkulturerbe erklären. Zum immateriellen, weil, kaum sind sie da, sind sie auch schon wieder weg.

In Deutschland ist die Pommes-Kultur verkümmert

Belgien hat diese höchste Form der Kartoffelveredelung in 2000 Jahren perfektioniert. Das ist nachzulesen beim Historiker René Goscinny. Der gilt als glaubwürdig, hat er doch auch die Sache mit der Sphinx bewiesen ("Asterix und Kleopatra"). Dass Pommes bei uns einen zweifelhaften Ruf genießen, ist peinlich: Auch das edelste Sushi wird zum Trash, ertränkt man es unter Billig-Ketchup und Kleister-Mayo. In Belgien begegnet man Fritten mit Würde. Man huldigt ihnen mit einem Dutzend handgerührter Legierungen. Zu diesen Sößchen werden noch Gürkchen, Zwiebelchen und was noch gereicht. So sieht Kultur aus.

Sie wurden von großen Sängern besungen und waghalsigen Dichtern: "Pommes sind frittierte Sonnenstrahlen" (Anonymus). Und doch haben sie mit üblen Verleumdungen zu kämpfen. Cholesterin! Acrylamid! Und vor allem: Dickmacher! Doch als Belgien 2012 seine pummelig gewordene Armee auf Diät setzte, machten sie was? Reduzierten die Fleischportionen und gaben Kartoffelnachschlag. Und während wir glauben, Belgische Pommes seien doppelt fett, weil sie doppelt frittiert werden, knien selbst die kulinarisch eingebildeten Franzosen nieder. Küchenforscher Hervé This-Benckhard suchte in langen Versuchsreihen nach der idealen Fritte. Und kam zum Schluss: zuerst bei 150 Grad garen, dann kurz bei 190-200 Grad knusprig vergolden.

Will die Unesco ihre Glaubwürdigkeit nicht verlieren, sollte sie den Belgiern den Welterbestatus hinterhertragen. Dann bliebe denen nur noch eins zu tun: Dafür zu sorgen, dass der Großteil der Welt die Dinger nicht mehr länger French Fries nennt. Ausgerechnet.