Ungewohntes am Holmenkollen

dpa

Von dpa

Mo, 09. März 2020

Skispringen

Wetterchaos, Coronavirus und keine Zuschauer in Oslo.

OSLO (dpa). Auf den Bildern vom Holmenkollen war teilweise nicht mal mehr eine Schanze zu erkennen. Dichter Nebel und starker Wind haben die Austragung des Skisprung-Einzels von Oslo am Sonntag verhindert und für eine Verlegung um einen Tag gesorgt. Deutschlands Top-Athlet Karl Geiger hat damit am Montag (17.15 Uhr) und Dienstag (17 Uhr) in Lillehammer gleich zwei Chancen, die 118 Punkte Vorsprung des Österreichers Stefan Kraft im Gesamtweltcup noch aufzuholen. Den Nachholtermin gab der Weltverband (FIS) am Sonntagabend bekannt.

Von der Verlegung ein wenig profitieren kann somit Youngster Constantin Schmid, der vollkommen überraschend als Führender der Raw-Air-Tour zur zweiten Station nach Lillehammer reist. Der mit 60 000 Euro dotierte Gesamtsieg in Skandinavien ist für den 20 Jahre jungen Schmid zwar noch immer weit entfernt, mit einem Sieg in der Qualifikation und als Garant für Rang zwei im Teamspringen wies Schmid aber seine Top-Form nach. Bundestrainer Stefan Horngacher attestiert ihm derzeit "Weltklasse". Außer seinen Kollegen, den Trainern und den Fans am Fernseher konnten sich am Wochenende keine Zuschauer von Schmids Qualitäten überzeugen, da die Wettbewerbe in Oslo wegen des Coronavirus ohne Publikum stattfanden.

Wie es auf den verbleibenden Stationen in Lillehammer, Trondheim, Vikersund sowie bei der Skiflug-WM im slowenischen Planica mit den Zuschauern weitergeht, ist offen. Der scheidende Rennleiter der FIS, Walter Hofer, sagte in Oslo, in Lillehammer werde es ganz normal mit Publikum weitergehen. Ob das auch für das unweit von Italien gelegene Planica und die WM (19. bis 22. März) gilt, ist offen. Die slowenische Regierung beschloss am Samstag, Großveranstaltungen mit mehr als 500 Zuschauern in Hallen zu untersagen. Möglich ist, dass dies auf die Flug-WM, bei der tausende Zuschauer erwartet werden, ausgeweitet wird. Auch eine WM ohne Zuschauer ist denkbar.

Die deutschen Skispringer können Oslo mit einem positiven Gefühl verlassen, auch wenn die Geisterstimmung auf einer der traditionellsten Sportstätten überhaupt komisch anmutete. "Wir kennen es gelegentlich, vor wenigen Zuschauern zu springen, aber nicht hier. Es ist wie Training mit Presse", sagte der in Hinterzarten lebende Stephan Leyhe. Neben Geiger, Schmid und Leyhe hatte Pius Paschke das Team am Samstag bei Rang zwei hinter Norwegen vertreten.