Wahlkampf

Union sucht vor dem zweiten TV-Triell die Offensive

unserer Berliner Redaktion

Von unserer Berliner Redaktion

Fr, 10. September 2021 um 19:36 Uhr

Deutschland

Demonstrative Geschlossenheit und Angriffe auf die SPD: So sieht die Strategie der Union zwei Wochen vor der Bundestagswahl aus. Viele Wähler sind unterdessen noch unentschlossen.

Mit demonstrativer Geschlossenheit und Angriffen auf die SPD versuchen die Union und ihr Kanzlerkandidat Armin Laschet, zwei Wochen vor der Bundestagswahl in die Offensive zu kommen. CSU-Chef Markus Söder betonte die Unterstützung seiner Partei für den gemeinsamen Kandidaten: "Wir stehen zu hundert Prozent zu Armin Laschet." Bayerns Ministerpräsident warnte zudem vor einem "Linksrutsch" in Deutschland.

SPD in den Umfragen weiterhin ganz vorne

Die CSU kam am Freitag zu einem Parteitag in Nürnberg zusammen, Laschet soll dort an diesem Samstag sprechen. Zuletzt hatte CSU-Generalsekretär Markus Blume in der Union Irritationen mit der Aussage ausgelöst, mit Söder als Kanzlerkandidat stünden CDU und CSU besser da. Im neuen ZDF-Politbarometer liegt die SPD mit 25 Prozent vor der Union, die 22 Prozent erreicht. Die Grünen kommen auf 17 Prozent, AfD und FDP auf jeweils elf Prozent. Die Linke erreicht sechs Prozent. Laschet, SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz und die Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock treffen am Sonntag in einem weiteren TV-Triell aufeinander.

Laschet stellte am Freitag eine "Agenda für ein sicheres Deutschland" vor. Wer einen starken Staat wolle, "der uns alle schützt und der Kriminalität, Extremismus und Terrorismus entschlossen bekämpft", müsse die Union wählen, sagte der CDU-Vorsitzende. Laschet attackierte Finanzminister Scholz im Zusammenhang mit einer Untersuchung der Staatsanwaltschaft in dessen Ministerium. "Wenn das eigene Ministerium durchsucht wird, der Staatsanwaltschaft zu sagen, was sie besser getan hätte, kennt man sonst nur von populistischen Staaten", sagte Laschet. Scholz hatte kritisiert, dass die Fragen der Ermittler zur Arbeit der Geldwäsche-Zentralstelle des Zolls auch schriftlich hätten geklärt werden können.

Gruppe der Unentschlossenen könnte die Wahl entscheiden

SPD-Chefin Saskia Esken warb für einen Regierungswechsel unter der Verantwortung ihrer Partei. "Die SPD ist die eine gestaltende Kraft in Deutschland, der man die Führung des Landes anvertrauen kann", sagte Esken unserer Zeitung. Der Ex-Grünen-Chef Reinhard Bütikofer schrieb in seinem Blog, dass ein Stimmungsumschwung, der Baerbock ins Kanzleramt tragen würde, "nicht realistisch" zu erwarten sei.

Nach Einschätzung des Politikberaters Johannes Hillje ist die Wahl noch nicht gelaufen. "Es ist die knappste Bundestagswahl seit 2005", sagte Hillje unserer Zeitung. Die Gruppe der Unentschlossenen könne den Ausgang entscheiden. Deren Prozentzahl liege noch immer bei 40 Prozent. "Offenbar fällt vielen Menschen die Wahlentscheidung besonders schwer", so Hillje.