Lehrer

Uns Lehrern gegenüber wurde das zu keinem Zeitpunkt so kommuniziert

Cornelia Kiefer

Von Cornelia Kiefer (Stegen)

Sa, 27. Juni 2020

Leserbriefe

Zu: "Wie viele Lehrer sind gefährdet?", Beitrag von Stephanie Streif (Land und Region, 20. Juni)
Ich bin Lehrerin und habe sowohl Bluthochdruck als auch Asthma, fühle mich aber, da medikamentös gut eingestellt, gesund und belastbar. Mein Arzt bestätigte mir, dass er, wenn überhaupt, nur ein geringfügiges Risiko für einen schwereren Verlauf einer möglichen Covid-19-Erkrankung sieht. Und trotzdem habe ich die letzten Wochen nicht an der Schule, sondern nur von daheim aus unterrichtet. Und das nicht, weil ich mich "selbst als zu einer Risikogruppe zugehörig" eingestuft hatte. Ich wollte mich auch nicht von der "Präsenzpflicht an der Dienststelle entbinden lassen". Vielmehr hatte ich wahrheitsgemäß ein Formular des Kultusministeriums (KM) ausgefüllt, in dem abgefragt wurde, ob bestimmte Vorerkrankungen vorliegen, und wurde infolgedessen der Risikogruppe A zugeteilt, zu der neben Schwangeren Personen mit relevanten Vorerkrankungen angehören.

In der Pressemitteilung des KM vom 20. April, die zeitgleich mit dem Risikogruppenformular veröffentlicht wurde, sowie in den FAQ auf der KM-Seite stand bis Anfang letzter Woche der Passus: "Personen mit relevanten Vorerkrankungen sind von der Präsenzpflicht befreit, dürfen also nicht an die Schule. Über 60-jährige sind von der Präsenzpflicht befreit, können sich jedoch freiwillig für den Dienst an der Schule entscheiden". Als zur ersten Gruppe zugehörig, ging ich von einem Verbot aus. Dies wurde mir von der Bürgerreferentin des KM bestätigt.

Dass das KM nun erklärt, dies sei kein Verbot gewesen, ist mir unbegreiflich. Uns Lehrern gegenüber wurde das zu keinem Zeitpunkt so kommuniziert. Und auch nach der neuen Regelung bleibt unklar, ob man trotz des Wissens um ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf durch Nicht-Vorlegen eines ärztlichen Attests auf eigene Verantwortung in die Schule gehen darf. Ich begrüße die neue Regelung, habe aber aufgrund der Kommunikation des Kultusministeriums und der Berichterstattung in den Medien permanent das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen.

Dass der Unterricht aus der Ferne nach meinen Erfahrungen der letzten Monate auch zeitaufwändiger sein kann als der normale Schulalltag, sei hier nur am Rande erwähnt. Cornelia Kiefer, Stegen