UNTERM STRICH: An den Buccinator denken

Karl-Heinz Fesenmeier

Von Karl-Heinz Fesenmeier

Fr, 22. Mai 2020

Kolumnen (Sonstige)

Was man tun kann, um länger jung auszusehen / Von Karl-Heinz Fesenmeier.

Wer unter 30 ist oder sich noch immer für ganz schön jung geblieben hält und sich überdies einer glatten und geschmeidigen Haut erfreuen kann, der kann an dieser Stelle aufhören weiterzulesen. Für alle anderen gibt’s ein paar kleine Anregungen. Altwerden ist nichts für Feiglinge, hat einmal der Schauspieler und Fernsehmoderator Joachim Fuchsberger gesagt und sogar ein Buch darüber geschrieben. Das stimmt, denn allein schon für den morgendlichen Blick in den Spiegel braucht es von Tag zu Tag mehr Mut. Da hängen die Bäckchen, schlupfen die Lider, fußeln die Krähen und tränen die Säcke. Über die Stirn ziehen sich Furchen wie einst die weißen Linien am Himmel der Vor-Corona-Zeit, als die Menschen noch mit Flugzeugen unterwegs waren.

Das hatte man sich in jungen Jahren anders vorgestellt. Einige haben sich sogar Falten herbeigesehnt, weil sie irgendwo gelesen hatten, dass diese sichtbarer Ausdruck großer Gedanken seien. Heute fragt man sich, welche Gedanken das wohl gewesen sein mögen, die sich derart ins Gesicht gegraben haben. Sei’s drum. Es gibt Abhilfe. Nein, es sind weder Cremes noch Spezialdragees (obwohl Schönheit ja schon auch von innen kommt). Auch nicht irgendein Hokuspokus. Es ist schlicht die Kunst, den Raum vor dem Spiegel in eine Art Fitnessstudio für die Gesichtsmuskulatur umzudeuten.

Im Internet gibt es Anleitungen zum Grimassenschneiden, das gezielt der Stärkung der vernachlässigten Gesichtsmuskeln dient. Wir trainieren Bizeps, Trizeps und Bauchmuskeln, aber an den Occipitofrontalis oder den Buccinator denkt kein Mensch. Das sollten wir aber, um allein schon "die Kieferlinie wieder zu definieren". Wer sich darauf einlässt, kann endlich auch seine Falten besser verstehen. Zum Beispiel die Nasolabialfalte, die man kriegt, wenn man Kummer hat oder Kanzlerin ist. Frustrierend bleibt jedoch, dass die Haut ab dem 25. Lebensjahr offenbar jedes Jahr um ein Prozent dünner werden soll. Da kann man nur froh sein, wenn man nicht 125 wird.