UNTERM STRICH: Das unterschätze Kinn

Sonja Zellmann

Von Sonja Zellmann

Sa, 07. November 2020

Unterm Strich

Der Schönheitswahn erfasst ein weiteres Körperteil / Von Sonja Zellmann.

Die Nase zu lang, die Augen zu schief, der Mund zu schmal, der Hintern zu breit und erst der Bauch – kaum jemand entspricht dem eigenen oder einem vermeintlich objektiven Schönheitsideal. Auf Trilliarden Zeitschriftenseiten haben sich verschiedenste Frauen- und längst auch Männermagazine schon über die Perfektionierung der für die Außenwirkung als wichtig erachteten Körperteile ausgelassen. Ein magischer Lidstrich, die perfekte Lippenstiftfarbe oder ein ordentliches Set Sit-ups wurden und werden da empfohlen.

Was dabei aber offenbar jahrelang unterschätzt wurde, ist das Kinn. Oder die Kieferpartie, von Kosmetikexperten gerne auch mit dem englischen Begriff als "jawline" bezeichnet. Auf sie komme es an, sagen diese Experten, schließlich prägt und formt sie das Gesicht. Es gibt bereits Fitnessgeräte gegen das Ausschlabbern der Kiefermuskulatur, – spezielle Silikonbälle für stärkendes Daraufherumkauen. Oh je, das auch noch!

Jedoch Kauen mit welchem Ziel? Okay, erstmal das Doppelkinn wegtrainieren. Und dann? Hier hilft eine Umfrage zu Kinnformen im Auftrag des Pharmaunternehmens Allergan Aesthetics, das, aha, auch "Gesichtsfiller" herstellt, die die "jawline" per Injektion in Form bringen sollen. Laut Umfrageergebnis wird bei Männern ein breites, markantes Kinn als am attraktivsten empfunden, bei Frauen seien es "weiche, rundliche Konturen". Um das herauszufinden, wurden den Befragten Bilder von Promis gezeigt. Hollywoodstar Leonardo DiCaprio ("Titanic") hatte da mit seinem, so die Pressemitteilung, "im Verhältnis zum Gesicht zu schmalen Kinn" gegen das markante und "wohlproportionierte" Elyas M’Bareks ("Fack ju Göhte") keine Chance. Bei den Frauen stach US-Schauspielerin Selena Gomez’ ovale Gesichtsform Heidi Klums eher kantige aus. Spitze Kinne waren generell eher unbeliebt.

Wieder was gelernt. Aus der Kategorie unnützes Wissen. Denn nützlicherweise wissen wir ja: Wahre Schönheit kommt nicht von Kinnen.