UNTERM STRICH: Die Gier, das Gold, der Gauner

Dominik Bloedner

Von Dominik Bloedner

Mi, 07. Oktober 2020

Unterm Strich

Im Nordschwarzwald sorgt eine Einbruch-Serie für Verwirrung / Von Dominik Bloedner.

Heute, an diesem gar nicht goldenen Oktobertag, geht der Blick in den wildromantischen Nordschwarzwald, genauer gesagt nach Bad Herrenalb, jenem nicht gerade quirligen oder gar glitzernd-mondänen, durchaus aber sehenswerten Kurstädtchen: eine Klosterruine, eine Therme, ein bisschen Fachwerk, viel Tannenwald drumherum und noch viel mehr Ruhe – normalerweise. Und ein Geldinstitut unweit des Kurparks, in dem der Gauner in der Nacht zum Samstag wohl erneut zugeschlagen hat. Eine Serie? Die ermittelnde Polizei aus der benachbarten Goldstadt Pforzheim prüft noch, ob es sich um einen Einzeltäter oder gar um eine kriminelle Organisation handelt – und ist ratlos.

Am Tatort zerbrochene Scheiben von Glasfassade und Vitrine, ein Sachschaden in Höhe von mehreren tausend Euro und allenthalben Kopfschütteln. Warum nur, ja warum? Dass ein Fluch auf dem Edelmetall Gold liegen kann, davon sollte seit jener Geschichte um den gierigen wie dummen König Midas doch jeder angehende Kriminelle schon einmal gehört haben. Zudem ist verbürgt, dass Finanzjongleure zwar mitunter Blender sind, aber dass Direktoren von ländlichen Geldinstituten naiv oder gar fahrlässig sind, davon hört man eher selten.

Und so hat sich in Bad Herrenalb das alte deutsche Sprichwort bewahrheitet, wonach nicht alles Gold ist, was da glänzt: Denn die aus den Vitrinen geklauten Goldbarren waren natürlich ziemlich wertlose, wenn auch, so die Ermittler, "täuschend echte" Attrappen.

Womit wir im nur rund 40 Kilometer entfernten Niefern-Öschelbronn gelandet wären und uns an die Nacht zum 21. April dieses Jahres zurück erinnern. Dasselbe Muster: Auch dort ein zerstörter Glasschaukasten, auch dort ein Sachschaden, der höher ist als die Beute (Goldbarren- und Münzattrappen im Wert von 20 Euro), auch dort Kopfschütteln und Schmunzeln. Warum nur? Man wird es wohl nie erfahren. Denn in diesen Kreisen gilt mehr noch als anderswo: Reden ist Silber, Schweigen ist...