UNTERM STRICH: Die Politik liebt das Fliegen

Johannes Dieterich

Von Johannes Dieterich

Mo, 29. März 2021

Unterm Strich

Südafrikas Fluggesellschaft ist etwas aus der Übung gekommen / Von Johannes Dieterich.

Die Zuneigung der südafrikanischen Regierung zur staatlichen Fluggesellschaft South African Airways (SAA) überbietet alles, was man aus anderen Ländern vom innigen Verhältnis zwischen der Politik und dem nationalen Luftfahrtkonzern gewohnt ist. Seit Jahrzehnten pumpt Pretoria Milliarden Euro ins Unternehmen. Die Mehrheit der Südafrikaner sieht der Vernichtung ihrer Steuergelder am Himmel vom Boden aus zu.

Seit einem Jahr, seit Corona, stehen die meisten Flugzeuge am Boden, selten hebt eines ab: zu "humanitären Missionen", die das Ansehen der maroden Airline liften sollen. Einmal holte ein "Heldenteam" der SAA in Wuhan gestrandete Landsleute ab, ein andermal galt es, Impfstoffe aus Europa herbeizuschaffen.

Dafür stellte SAA am 24. Februar einen stattlichen Airbus A340-600 bereit, in dem 370 Passagiere Platz finden können – nur, um eine Tonne Impfstoff in Brüssel abzuholen. Die Zeche: fünf Millionen Rand, fast 300 000 Euro. Den Sicherheitsmaßnahmen für Flüge nach Europa musste selbstverständlich entsprochen werden, die Maschine also gewartet und die Fitness ihres Personals überprüft werden. Für SAA-Kapitäne, die seit einem Jahr untätig zu Hause sitzen, ein schwieriges Unterfangen. Trotzdem gelang es dem Staatsbetrieb, ein Team zusammenzustellen, das von der hiesigen Luftfahrtbehörde abgesegnet wurde – mit Hilfe von 13 Ausnahmeregelungen.

Lag es an der mangelnden Übung oder war es nur ein Missgeschick? Jedenfalls wurde bei der Berechnung des Gewichts der Maschine vor dem Start deren Treibstoffvorrat vergessen. "Mit Gottes Hilfe hob Flug SA 6273 gerade noch so ab", sagte ein Insider dem Onlinedienst Business Maverick. Hätte das automatische Kontrollsystem des Airbusses nicht die Nase gesenkt und die Fahrt beschleunigt, wäre der Vogel vielleicht abgestürzt. Nun sieht sich die Regierung mit der Frage konfrontiert, was noch alles geschehen muss, um ihre Zuneigung zu dem Bruchunternehmen zu stoppen. Pretoria, wir hören.