UNTERM STRICH: Die Vermessung des Glücks

Franz Schmider

Von Franz Schmider

Di, 25. August 2020

Unterm Strich

Wie Wissenschaftler der Universität Heidelberg Spiele definieren / Von Franz Schmider.

Auch wenn immer mal wieder unterstellt werde, man könne das Glück erzwingen, es sich verdienen, sofern man nur tüchtig genug sei, man könne es aufbrauchen oder verspielen, es herausfordern oder strapazieren: Glück hat man – oder eben nicht. Es fliegt einem zu. Das ist für viele unbefriedigend, neigt der Mensch im allgemeinen doch dazu zu glauben, er könne jeglichen Lauf der Dinge beherrschen.

Das stimmt in bestimmten Fällen ja auch. Beim Boule etwa hat es ein Spieler selbst in der Hand, wohin seine Kugel rollt, wohingegen selbige beim Roulette nach dem Zufallsprinzip in ein Nummernfach fällt. Wo die Trennlinie liegt zwischen Glück- und Geschicklichkeitsspiel, darüber kann man im Alltag mit gutem Grund geteilter Meinung sein. Die Wortgefechte in dieser Sache sind Legion, kein Sieger mag es, wenn man ihm sein eigenes Zutun kleinredet. Juristen haben es da schwerer. Denn nach einem Urteil des Reichsgerichts von 1928 ist entscheidend, ob es "überwiegend" auf das Glück ankommt, wie ein Spiel klassifiziert wird. Was rechtliche Konsequenzen hat.

Wirtschaftswissenschaftler der Universität Heidelberg, die sich mit ökonomischen Spieltheorien befassen, sind nun der Frage auf den Grund gegangen anhand eines Vergleichs von Poker und Skat. Definiert wird der Glücksanteil anhand folgender Skala: Die Siegchancen eines Anfängers gegen einen erfahrenen Spieler liegen beim Schach extrem weit auseinander, bei Mau-Mau hingegen kann ein Anfänger gewinnen, wenn er nur das richtige Blatt auf der Hand hat. Je weiter also die Werte auf der Skala auseinander liegen, desto klarer handelt es sich um ein Spiel, bei dem Können und Geschicklichkeit entscheiden. Das Ergebnis für Skat und Poker: Bei beiden handelt es sich überwiegend und in gleichem Maße um Glücksspiele. Aber Leute, die sich als gute Spieler einordnen würden, müssen jetzt nicht den Kopf hängen lassen: Im Laufe von sehr vielen Spielen setzt sich in beiden Fällen der geschickte Spieler dann doch eher durch.