UNTERM STRICH: Ich sammle, also bin ich

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Sa, 29. August 2020

Unterm Strich

Tholey soll ein Museum für klerikale Kopfbedeckungen bekommen / Von Alexander Dick.

Der Mensch ist ein Sammler. Das hat vermutlich etwas mit unserer Disposition aus Steinzeittagen zu tun; als Supermärkte und Online-Shopping noch Desiderate waren, die selbst den Horizont einer Familie Feuerstein überforderten. Also standen die einen am Herd, die anderen gingen hinaus, um etwas zu jagen. Und die Dritten sammelten. Also nicht Briefmarken oder Spielzeugautos – auch die waren noch Desiderate. Dafür Pflanzensamen, Kräuter, Früchte, Wurzeln, Beeren, Maden – kurzum alles, was in der Haute Cuisine der Feuersteins und Geröllheimers verwendet wurde.

Zugegeben, von da(mals) bis zum Museum für klerikale Kopfbedeckungen, das 2021 im saarländischen Tholey eröffnet werden soll, ist es ein gewaltiger Schritt. Nicht zuletzt, weil von Pielolus, Barett und Bischofsmütze keinerlei Anwendungen in der Küche bekannt sind. Dennoch verbindet Dieter Philippi in seiner Sammelleidenschaft für geistlichen Kopfschmuck und klerikale Bekleidung ein Gedanke des Sammelns mit unseren Vorfahren. Colligo, ergo sum – ich sammle, also bin ich.

Seinerzeit war das freilich nicht reine Selbstbestätigung, sondern eher eine Art direkter Broterwerb. Heute ist Sammeln vor allem ein Akt kultureller Dokumentation. Und je spezieller, je ausgefallener – desto besser. Deswegen ist der Bürgermeister von Tholey, Hermann-Josef Schmidt, natürlich stolz, dass in seiner Gemeinde mit der berühmten Benediktinerabtei, die nach aufwändiger Sanierung im September wieder eröffnet werden soll, ein möglicherweise weltweit einzigartiges Museum entsteht. Und dann auch noch gleich neben der Abtei. Die Besucher werden also staunend vor den Vitrinen stehen und sich an 560 segensreichen Kopfbedeckungen ergötzen dürfen. Übrigens nicht nur aus dem christlichen Umfeld, sondern auch aus anderen Religionen. Die Frage, ob die Behütungen etwas mit Mode zu tun haben – oder einfach bereits museal sind, muss dann jeder für sich selbst beantworten.