UNTERM STRICH: Onkel Horsts Schürze

Franz Schmider

Von Franz Schmider

Do, 18. März 2021

Unterm Strich

Erste Wahl und zweites Leben – Gedanken zum Tag des Recyclings / Von Franz Schmider.

Mit dem Kochen hat es Horst Lichter gerade nicht mehr so, er hat den Kochlöffel aus der Hand gelegt und wedelt stattdessen im ZDF mit dem Händlerkärtchen. Damit ist der Mann mit dem gewichsten Schnauzer so etwas wie der Patenonkel des heutigen Tages. Denn heute ist der Tag des Recyclings – 2018 von der Global Recycling Foundation ausgerufen – und Lichter hat aus der naheliegenden Frage "Kann das weg?" ein Geschäftsmodell gemacht, das der Sache noch mehr dient. Denn die Zweitverwendung ist die edelste (Vor)Stufe des Wiederverwertens.

Allerdings hat er auch gut reden, denkt man an all die Preziosen, die seine Experten unter die Lupe genommen haben. Aber was, wenn es nicht um Rares geht, sondern um ein Massenprodukt wie, sagen wir, ein Handy? Immerhin besitzen 98 Prozent der Haushalte in Deutschland ein solches mobiles Endgerät. Jeder Bundesbürger – Bundesbürgerinnen nicht zu vergessen – fügt dem Abfallberg pro Jahr 10,3 Kilogramm Elektro- und Elektronikschrott hinzu. In Schweden sind es übrigens 14,3 Kilo, die europäische Statistikbehörde lässt uns jedoch im Unklaren, ob Waschmaschinen und Kühlschränke dort schwerer sind oder eine kürzere Lebensdauer haben. Entsorgt werden auch Bildschirme, nur weil sie den Ansprüchen an die Größe nicht mehr genügen, oder Laptops, die den Anforderungen des Homeoffice nicht gewachsen scheinen. Da ließe sich oft eine Zweitverwendung finden, denn das klassische Recyceln, das Wiederverwerten der Rohstoffe, kann nachhaltigkeitstechnisch nur die letzte Stufe sein. Für manchen Teetrinker ist der zweite Aufguss übrigens erste Wahl.

Das Stichwort Wahl in Verbindung mit dem Tag des Recyclings führt natürlich nach Mainz und Stuttgart und damit unmittelbar zur Frage: Kann die jeweilige Koalition weg oder gibt es eine Zweitverwertung? Denn wer das Thema des heutigen Tages auf Gebrauchsgüter begrenzt, verkennt die Herausforderung mit der Nachhaltigkeit. Bleibt die Frage: Was wurde eigentlich aus Lichters Kochschürze?