UNTERM STRICH: Richtig rotes Blut? Zu explizit

Martina Philipp

Von Martina Philipp

Do, 15. Oktober 2020

Unterm Strich

Wie das Menstruieren von Frauen Facebook ganz schön schockt / Von Martina Philipp.

Es ist immer ein schönes Gefühl, wenn jemand gut auf einen aufpasst. Facebook zum Beispiel macht das neuerdings toll. Der Social-Media-Riese hat etwas gebraucht, bis er seine hoheitliche Aufgabe als Anstandswauwau im Netz halbwegs erkannt hat, aber vor Kurzem hat Facebook jetzt doch tatsächlich einen Post von US-Präsident Trump gesperrt, in dem der eine Covid-19-Infektion verharmloste. Über die Millionen Beiträge, die man von diesem Herren hätte auch sperren können, wollen wir mal milde hinwegsehen.

So langsam kommen Facebooks Zensoren jedenfalls in Schwung. Es gibt schließlich nicht nur politisch bedenkliche Beiträge, sondern im Netz geht’s ja oft auch um Haue und Sex und so Sachen. Anzeigen dürfen deswegen, so stellt Facebook klar, etwa keine schockierenden und sensationsheischenden Inhalte zeigen. Und aus dem Grund hat das Unternehmen die Werbung eines australischen Anbieters von Menstruationsunterwäsche gesperrt. In einem Video zeigt Modibodi, dass es (jetzt kommt eine Überraschung) eher normal ist, als Frau ihre Tage zu haben. Da wird also kein Tampon in klinisch saubere blaue Flüssigkeit getunkt. Sondern es werden rote Flecken auf der Bettwäsche gezeigt, ein voller Mülleimer samt blutdurchtränktem Klopapier und ein Duschboden, in dem sich Wasser rötlich färbt. Zu explizit! Fand Facebook. Stimmt, im Vergleich zu im Netz frei verfügbaren Pornos und Kettensägenmassakerfilmen ist so ein Blutfleck schon krass.

Nach Modibodis Protest und amüsierten Kommentaren im Netz hat Facebook das Video wieder freigeschaltet und beteiligt sich nun offenbar voll gern daran, das Menstruieren von Frauen ein klein wenig zu enttabuisieren. Vor Kurzem hat die Seite übrigens eine Anzeige für neue Zwiebelsamen gesperrt. Das Bild einer aufgeschnittenen Zwiebel sei zu sexuell. Facebook entschuldigte sich später dafür, dass die Technik die Zwiebel mit etwas Höchstsexuellem verwechselt habe. Man fragt sich, mit was. Aber egal, lieber eine Zwiebel zu viel sperren. Sicher ist sicher.