UNTERM STRICH: Seht her, da ist gar nichts drin!

Ronny Gert Bürckholdt

Von Ronny Gert Bürckholdt

Di, 23. Juni 2020

Unterm Strich

Wenn man normales Wasser "bio" nennt, klingelt die Kasse / Von Ronny Gert Bürckholdt.

Wie nennt man es, wenn Verbraucher für ein Produkt viel mehr bezahlen als nötig, und wenn sie dabei auch noch ein richtig gutes Feeling haben? Marketing. Die Erfindung des Bio-Wassers darf als Glanzleistung modernen Marketings in der ach so konsumbewussten Wohlfühlgesellschaft gelten. Mit normalem Wasser kann man wohl nicht mehr genug verdienen; und es lassen sich genügend Leute finden, die reines Wasser für nicht gesund genug halten. Es muss schon dem Himalaya entsprungen oder porentief bio sein.

Hamburger Verbraucherschützer haben nun stichprobenartig Bio-Wasser getestet und herausgefunden: Bis zu 60 Prozent mehr kostet das Öko-H2O selbst, wenn es aus derselben Quelle stammt wie das als herkömmlich angepriesene Mineralwasser desselben Herstellers.

Zwar stimmt: Wer Bio-Wasser feilbietet, muss bei einer privaten Zertifizierungsstelle nachweisen, dass es bio ist – und das kostet was. Aber warum soll man nachweisen, dass in etwas etwas nicht drin ist, wenn es nie drin ist, oder nicht in einer relevanten Menge? Das sollte man Marketingleute aber nicht fragen, sonst werden die böse. Auch nicht, warum es Brauereien gibt, die auf ihre Flaschen "ohne Gentechnik" drucken, wenn auch andere deutsche Biere den Test bestehen würden, aber an dieser Stelle aus gutem Grund Testkapazitäten gespart werden?

Die Verbraucherschützer fordern nun mehr Transparenz, regen aber ein staatliches Bio-Siegel für Mineralwasser an. Bloß nicht! Dann würde der Quatsch auch noch von Amts wegen veredelt. Belassen wir es in dieser wirtschaftlich schweren Zeit doch beim Alten. Wer für Bio-Wasser mehr zahlen will, bitte sehr! Wer glücklicherweise nicht an einer Glutenunverträglichkeit leidet, aber nur glutenfrei isst, soll es tun! Und dass hierzulande so viele lactosefreie Produkte konsumiert werden, dass es die Lactose-Intoleranten nie allein verdrücken könnten, ohne schwerste Gesundheitsschäden davonzutragen, sei’s drum. Es belebt die Binnennachfrage – derzeit erste Bürgerpflicht.