UNTERM STRICH: Süßer Genuss gegen die Langeweile

Manuela Müller

Von Manuela Müller

Fr, 20. März 2020

Kolumnen (Sonstige)

Der Tag des Macarons lässt sich auch in der eigenen Küche feiern / Von Manuela Müller.

Franzosen haben den Ruf, dass sie Genussmenschen sind. Da ist es nicht verwunderlich, dass durchs Netz gerade Berichte und Fotos darüber geistern, dass in manchen französischen Supermärkten zeitweise Rotwein und Kondome vergriffen sein sollen. Die Deutschen hamstern lieber Klopapier. Das versteht außerhalb wie innerhalb Deutschlands nicht jeder.

Hier, in direkter Nachbarschaft zum Elsass, verstehen wir aber, warum französisches Essen wie etwa Macarons ein Genuss sind. Das Baisergebäck sieht mit seinen zwei Teighälften und der Creme dazwischen einfach zum Anbeißen aus. In den Patisserien ist es meist zu regenbogenfarbenen Pyramiden aufgetürmt.

Und dann das Geschmackserlebnis: Die Zähne durchbrechen die zarte Kruste, stoßen auf den weich-bröseligen Kern des Teigstücks. Die Krönung: die süße Masse in der Mitte mit Ganache-, Frucht- oder Buttercreme. Fluffig und süß.

Bei dem Genuss ist es nicht verwunderlich, dass in Frankreich seit 2005 der Tag des Macarons gefeiert wird – natürlich auch aus Marketinggründen. Von jedem am 20. März verkauften Macaron soll aber ein Teil des Erlöses für karitative Zwecke gespendet werden. Die Idee hatte der Pariser Konditor Pierre Hermé, der berühmt für seine Verfeinerung des Macaronbackens ist und der mit dem Verkauf der Spezialitäten sein Geld verdient.

Als gute Tat in einem französischen Laden Macarons zu kaufen, das kommt heute leider nicht infrage. Dafür hat mancher gerade viel Zeit übrig, in der er oder sie sich am Selberbacken versuchen könnte.

Die leckeren Happen gelten als Königsdisziplin für Heimbäcker. Dabei braucht man nur Mandeln, Puderzucker, Kakao, Eiweiß und eine Prise Salz. Für die Füllung zum Beispiel Schokolade, Sahne, Butter. Es ist aber viel Zeit nötig und Übung, bis Macarons so aussehen, wie man sie aus den derzeit weit entfernten Patisserie-Schaufenstern kennt. Alles, was bis dahin in der Küche passiert, kann gute Unterhaltung sein – und geschmacklich zumindest ein kleiner Genuss.