UNTERM STRICH: Warum ein Huhn keine Ente ist

Michael Saurer

Von Michael Saurer

Fr, 22. April 2022

Unterm Strich

Die BZ und ihre ornithologischen Verirrungen /      Von Michael Saurer.

Amsel, Drossel, Fink und Star sind auch für Laien einfach zu unterscheiden. Aber wer erkennt schon auf den ersten Blick, ob der Piepmatz auf der Veranda nun ein Haus- oder ein Feldsperling, ein Sommer- oder Wintergoldhähnchen ist? Seien wir ehrlich, die ornithologischen Kenntnisse sind bei Otto Normalverbraucher meist nicht sonderlich gut entwickelt.

Auch Zeitungsredakteure tappen gern mal in die Falle. Da wird aus der Blau- eine Kohlmeise gemacht, der Wanderfalke wird zum Turmfalken. Dass aber in der Zeitung ein Huhn zur Ente gemacht wird, das ist doch eher selten. Passiert aber, wie man in der gestrigen Ausgabe der Badischen Zeitung an gleicher Stelle sehen konnte. Nun war der Fauxpas weniger ein ornithologischer als ein donaldistischer. Was umso schwerwiegender ist. Denn der Donaldismus, diese augenzwinkernde Pseudo-Wissenschaft, die sich mit den Bewohnern der Stadt Entenhausen in den Disney-Comics beschäftigt, wird von den Anhängern desselben durchaus mit einem gewissen Ernst betrieben.

Insofern kann die Badische Zeitung alle Donaldisten dieser Welt nur um Verzeihung bitten, denn im gestrigen Unterm Strich wurde der geniale Erfinder Daniel Düsentrieb zum Erpel gemacht. Stimmt aber nicht, der Ingeniör, dem nichts zu schwör ist, ist ein Huhn. Klar erkennbar an der Form des Schnabels. Vorne flach wie bei Donald und Dagobert = Ente, vorne spitz zulaufend wie bei Daniel Düsentrieb = Huhn.

Das ist auch deshalb wichtig, weil der Erfinder des tragbaren Lochs in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag feiert und deshalb in ganz vielen neuen Comics auftreten wird. Jubilare soll man hoch leben lassen und nicht zur Ente machen. Wahrscheinlich wäre Daniel Düsentrieb die Sache eh wurscht. Er würde einfach einen Apparat erfinden, einen Huhn-Transformator etwa, der allen falsch betitelten Hühnern ihre rechtmäßige Bezeichnung wieder gibt.