UNTERM STRICH: Wenn dem Virologen der Kopf raucht

Michael Saurer

Von Michael Saurer

Mo, 04. Januar 2021

Unterm Strich

Den Berliner Mediziner Christian Drosten gibt’s als Holzfigur / Von Michael Saurer.

Dass die Forschung am Coronavirus eine kräftezehrende Sache ist, ist auch für wissenschaftliche Laien gut nachvollziehbar. Der hohe Druck angesichts der vielen Infektionen, die Erwartungen der Politiker und der Gesellschaft. Dass den Forschern da bisweilen die Köpfe rauchen, ist klar.

Eine der berühmtesten Menschen an dieser Front ist der Virologe Christian Drosten, der nicht nur wegen seiner wissenschaftlichen Verdienste einer der Shootingstars des vergangenen Jahres ist, sondern auch wegen seines knuffigen Äußeren. Das zerzauste Haar, das zerknautschte Gesicht, der weiße Kittel – ähnlich wie einst bei Einstein werden sämtliche Klischees Forschender bedient.

Dass ihm des Öfteren der Kopf raucht ist mittlerweile ein Fakt. Nun, vielleicht nicht ihm persönlich. Aber zumindest einer hölzernen Darstellung von ihm, deren Nachfrage derzeit – wie sagt man es so schön – durch die Decke geht wie einst das HB-Männchen in der Zigarettenwerbung. Womit wir wieder beim Thema Rauchen wären. Denn ein findiger Holzkünstler aus dem Erzgebirge hat ein Drosten-Räuchermännchen samt rauchendem Kopf entworfen – und kann sich vor Anfragen danach nicht mehr retten.

Die Nachfrage sei wie die Ansteckungskurve nach oben gegangen, sagte Tino Günther gegenüber der dpa. Allein von Privatpersonen seien mehr als 5000 Bestellungen eingegangen. Eigentlich hätte er seine sieben Mitarbeiter ab Januar in Kurzarbeit schicken müssen, davon sei jetzt keine Rede mehr.

Ein Schnäppchen ist der 26 Zentimeter hohe handgefertigte qualmende Virologe samt Maske nicht. Ganze 82 Euro muss man auf den Tisch legen, und mit einer Lieferung ist erst im Herbst dieses Jahres zu rechnen. Und somit stellt sich die entscheidende (und optimistische) Frage: Wird sich die breite Bevölkerung dann überhaupt noch für das Virus und somit für Drosten interessieren? Sparfüchse warten deshalb noch – vielleicht ist der Preis für den Räuchermann mit Ende der Pandemie ja im freien Fall.