Aggressive Insekten

URTEILSPLATZ : Angriff der Killerbienen

Bastian Bernhardt

Von Bastian Bernhardt

Sa, 11. Juli 2020

Urteilsplatz

Der Nachmittag mit der Familie beim Gasthaus Sternen auf dem Langenhard war wunderbar. Wir hatten gut gegessen, lange auf dem großartigen Spielplatz getobt und bogen nun wieder auf den Hauptweg in Richtung der Windräder – da fiel mir der Bienenstock ein, der seitlich bei der Zufahrt zum Gasthaus im Wald aufgebaut war und den wir beim Ankommen schon im Augenwinkel gesehen hatten. "Wollen wir nochmal die Bienen anschauen?", fragte ich. Natürlich wollten alle. Mutig pirschten wir uns an die Bienenstöcke heran, um das emsige Flugtreiben aus – vermeintlich – sicherer Distanz von rund fünf Metern zu betrachten. Da schrie meine Frau plötzlich auf. Eine Biene hatte sie in den Arm gestochen. "Ich hab doch ganz ruhig da gestanden", sagte sie völlig konsterniert, während ich ihr den Stachel herauszog. Wir waren schon in der Rückzugsbewegung, da merkte ich, wie eine Biene durch meine Beinhaare pflügte, scheinbar kurz vor dem Stich. Sie wollte sich nicht abschütteln lassen. Als sie endlich von mir abließ, flog eine andere unters Brillenglas und von dort in den Bart. Was für eine Aufregung! Wie besessen muss ich mich Augenzeugen zufolge auf dem Boden gewälzt haben, Fahrradhelm und Brille von mir schmeißend und merkwürdige Geräusche machend. Der Witz: Ich wurde nicht mal gestochen. Wer "aggressive Bienen" in die Internetsuchmaschine tippt, findet lustige Videos solcher Begegnungen, die auch gestandene Imker aus der Ruhe bringen können. Über die Ursachen derlei wütender Bienen sind sich Forscher uneins. Laut Deutschlandfunk reagieren Bienen besonders auf dunkle Farben und schnelle Bewegungen aggressiv. Sie lassen sich aber austricksen. Blütendüfte sorgen dafür, dass die Tierchen in einen inneren Konflikt gelangen: Stechen – oder Essen fassen? Erinnert mich an unseren Nachwuchs: Wenn da die Stimmung zu kippen droht, reicht es, die Vesperdose zu zücken, und schon ist wieder alles gut.