Via Elfmeterkrimi ins Finale

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Von dpa & Florian Schmieder

Mi, 29. November 2023

Fussball International

Die U17 verzückt den deutschen Fußball weiter und greift nach dem WM-Titel. Beim Elfmeter-Coup im Halbfinale demonstriert das Team um Noah Darvich Nehmerqualitäten. Im Finale wartet ein bekannter Gegner.

Nach dem finalen Elfmeterglück zog sich U-17-Torjäger Paris Brunner bei seinem Triumph-Lauf das Trikot aus, Torwart-Held Konstantin Heide tanzte ausgelassen über den Rasen. Die deutsche Nachwuchs-Nationalmannschaft steht nach einem Nervenkrimi vom Punkt wie zuletzt vor fast vier Jahrzehnten im Weltmeisterschaftsfinale. "Jetzt wollen wir natürlich die Goldmedaille haben", sagte Trainer Christian Wück nach einem dramatischen Halbfinal-Erfolg gegen Argentinien.

Beim mitreißenden Auftritt in Indonesien parierte Torhüter Heide von der SpVgg Unterhaching gleich die ersten beiden Elfmeter der Argentinier. Doppeltorschütze Brunner verwandelte dann den entscheidenden Versuch zum 4:2 für Deutschland. "Toll, dass er das als letzter Schütze vollbracht hat", sagte Wück und dankte überglücklich auch Torhüter Heide. "Er hat uns gerettet."

Nach mitreißenden (inklusive Nachspielzeit) über 100 Spielminuten hatte es 3:3 gestanden. Das Dortmunder Supertalent Brunner war da schon erneut Torschütze durch einen Doppelpack (10./58. Minute), nach dem Treffer des Hoffenheimers Max Moerstedt (69.) zum 3:2 sah Deutschland lange wie der Sieger aus. Doch Dreifachtorschütze Agustin Ruberto (36./45.+4./90.+7) rettete eine anfangs überlegene argentinische Mannschaft ins Elfmeterschießen. Der Bad Krozinger Noah Darvich führte die Mannschaft erneut als Kapitän aufs Feld und wurde in der 84. Minute beim Stand von 3:2 ausgewechselt.

Im schwül-warmen Surakarta demonstrierte die Auswahl von Wück am Dienstag ein weiteres Mal ihre große Klasse – und enorme Nehmerqualitäten. "Wir sehnen uns in Deutschland nach so einem Team, das die deutschen Tugenden verkörpert", sagte der Coach. "Die deutschen Tugenden in den 80er und 90er Jahren waren, dass wir nie aufgeben, dass wir immer an den Sieg glauben, dass wir immer zusammenhalten und dass wir mit unseren Mitteln alles geben, um als Sieger vom Platz zu gehen."

Nach tristen Tagen für die A-Nationalmannschaft verzückt das Nachwuchsteam den Deutschen Fußball-Bund weiter. Nach dem EM-Titel im Sommer, als die U17 vom Punkt im Finale gegen Frankreich gewann, soll ein weiterer Titel her. Für die Franzosen gibt es am Samstag im Endspiel die Chance für eine Revanche. Sie zitterten sich gegen rotgeschwächte Malier zu einem 2:1-Sieg im zweiten Halbfinale. Das Finale findet um 13 Uhr mitteleuropäischer Zeit statt, erneut im Manahan Stadium in Surakarta.

"Die Jungs haben bei der Europameisterschaft kein Spiel verloren, haben hier kein Spiel verloren. Sie haben es in sich, den nächsten Schritt zu gehen", sagte Wück. Erneut verurteilte er rassistische Kommentare im Internet gegen einige seiner Spieler. "Die Jungs geben ihr Herz für unser Land, sie sind alle in Deutschland geboren, sind alle stolz, mit dem Adler auf der Brust spielen zu dürfen. Das ist eine ganz große Ehre, und genau das merkt man", sagte Wück. "Wenn man diesen Idioten noch mehr Raum gibt und über sie redet, haben sie genau das erreicht, was sie wollen."

Nur einmal glückte dem DFB in dieser Turnier-Historie zuvor der Einzug in das Endspiel. 1985 musste sich die Auswahl um Torschützenkönig Marcel Witeczek – damals traten noch U-16-Teams gegeneinander an – Nigeria mit 0:2 geschlagen geben. Zuletzt im Halbfinale stand eine deutsche Mannschaft um Rani Khedira und Mitchell Weiser im Jahr 2011 in Mexiko. Damals wurde das Team Dritter. Wie beim 1:0 gegen Spanien im Viertelfinale, als Brunners verwandelter Foulelfmeter gegen dominante Spanier den Sieg brachte, übernahm das BVB-Juwel auch im Halbfinale eine Hauptrolle. Er glänzte als Doppeltorschütze, verschuldete aber auch einen Gegentreffer. "Paris ist ein Individualist auf dem Platz, wie ihn jede Mannschaft braucht", sagte Wück. Er könne sich aber noch mehr in den Dienst der Mannschaft stellen.

Das tat Heide bei diesem Turnier – und war da, als Stammkeeper Max Schmitt vom FC Bayern krank passen musste. In der Nachspielzeit rettete Heide wiederholt, beim Ausgleich war er machtlos. Und beim Elfmeterschießen schlug seine große Stunde: "Es ist einfach unfassbar. Unser Team hat das ganze Turnier über gezeigt, dass wir so eine tolle Mentalität haben und immer zurückkommen können", sagte Heide.