Viele kamen in sowjetische Gefangenschaft

Walter Heizmann

Von Walter Heizmann (Kenzingen)

Mo, 01. März 2021

Ich möchte dem Artikel anfügen, dass in einem Park am Ortseingang von Ribeauvillé ein schlichtes Denkmal an die "Malgré-Nous", die mehr als 100 000 in die deutsche Kriegsmacht zwangsrekrutierten Elsässer, Lothringer und Luxemburger, erinnert. Etwa 18 000 von ihnen waren in das sowjetische Kriegsgefangenenlager in Tambow 420 Kilometer südöstlich von Moskau eingewiesen worden. Mindestens 6000 von ihnen kamen dort ums Leben. Sie alle hatten in der Regel an der deutschen Ostfront zu kämpfen, nicht an der Westfront – das Reichskriegsministerium hatte wohl nicht ohne Grund ein Überlaufen zum Gegner befürchtet.

Dieses Lager war speziell für elsässische, lothringische und luxemburger Kriegsgefangene errichtet worden. Ungeachtet dessen, dass die allermeisten von ihnen geraume Zeit nach 1940, als Deutschland Frankreich überfallen und das Elsass und Lothringen an sich gerissen hatte, zwangsrekrutiert worden waren und deshalb mit Ende des Zweiten Weltkriegs ihre ursprünglich französische Staatsangehörigkeit geltend machen konnten, wurden sie von der sowjetischen Staatsregierung wie deutsche Kriegsgefangene behandelt, ohne den Militäreinsatz des Einzelnen zu untersuchen und seine seinerzeitige Zwangsrekrutierung zu würdigen. Die letzten Kriegsgefangenen dieses Lagers kamen erst 1955, zehn Jahre nach Kriegsende, frei.

Ende der 1980er Jahre erhielt Frankreich von der Sowjetunion eine Liste der Namen von 1141 im Lager gestorbenen elsässischen Kriegsgefangenen.

Walter Heizmann, Kenzingen