Vikar aus Indien gut aufgenommen

Michael Gottstein

Von Michael Gottstein

Di, 19. November 2019

Bad Säckingen

Charles Jagan arbeitet in Seelsorgeeinheit Bad Säckingen-Murg / Positive Rückmeldungen nach der ersten Messe im Münster.

BAD SÄCKINGEN. Seit etwa einem Monat hat die Seelsorgeeinheit Bad Säckingen-Murg wieder einen Vikar: Am 9. Oktober feierte Charles Jagan seine erste Messe im St.-Fridolins-Münster. Er ist der Nachfolger des indischen Ordenspriesters Yesudas Kochupurackal, der rund ein Jahr lang in Murg lebte und in diesem Sommer von seiner Ordensgemeinschaft der Eucharistischen Missionare nach Schuttertal versetzt wurde.

Der 41-jährige Charles Jagan kommt aus einem Fischerdorf im südlichsten indischen Bundesstaat Tamil Nadu. Sein Heimatdorf liegt am südlichsten Punkt Indiens, wo der Indische und Pazifische Ozean und das Arabische Meer aufeinander treffen. In diesem Bundesstaat gibt es 2,65 Millionen Katholiken, und an der Küste sind fast alle Menschen katholisch. Die meisten arbeiten als Fischer, wie auch Charles Jagans Vater. Bei seiner Ausbildung wurde er von dem deutschen Verein "Zukunft für Menschen in Südindien" unterstützt, ebenso wie seine beiden Brüder und seine Schwester.

Charles Jagan studierte an einer staatlichen Universität Philosophie und an einem Priesterseminar Theologie (in Indien gibt es keinen Religionsunterricht an staatlichen Schulen und Universitäten). Im April 2006 wurde er geweiht und arbeitete anschließend drei Jahre als Kaplan und weitere zehn Jahre als Pfarrer in der Diözese Kottar. Um sich für die Hilfe aus Deutschland erkenntlich zu zeigen, besuchte er Deutsch-Kurse an einem Goethe-Institut und kam sieben Jahre lang jeweils für einen Monat in das Erzbistum Bamberg, um Ferienvertretungen zu übernehmen. Auch die Initiative, für längere Zeit nach Deutschland zu gehen, ging von ihm selbst aus. Er unterbreitete seinem Bischof diesen Vorschlag, und der Oberhirte fragte in der Erzdiözese Freiburg nach. Dort besuchte Charles Jagan in diesem Sommer einen dreimonatigen Deutsch-Intensivkurs und wurde dann nach Bad Säckingen gesandt.

Voraussichtlich wird er zehn Jahre lang in Deutschland bleiben, danach wird er nach Indien zurückkehren, um anderen indischen Priestern die Möglichkeit zum Auslandsaufenthalt zu geben. Ob er die ganze Zeit in Bad Säckingen bleiben wird, entscheidet die Erzdiözese. Weil es in den katholischen Gebieten Indiens genügend Priester gibt, gehen indische Geistliche häufig ins Ausland: Aus der Diözese Kottar arbeiten derzeit sechs Priester in Deutschland, zwölf in Italien, sechs in den USA, zwei in England und drei weitere in Australien.

In Charles Jagans Heimatdiözese Kottar mit rund einer Viertelmillion Katholiken kommt ein Priester auf rund 1000 Gläubige. Die Gründe dafür, dass es keinen Priestermangel gibt, sind die größeren Familien mit vier bis sechs Kindern und die tief verwurzelte Religiosität. "In Indien sind die Kirchen immer gut besucht, auch von jungen Menschen", berichtet der Vikar. Und es gebe ein Sprichwort: "Wenn es einen Priester in einer Familie gibt, dann liegt der Segen Gottes auf ihr."

Mit den anderen Religionsgruppen sei er immer gut ausgekommen, erklärt Charles Jagan. Probleme bereite eher die Politik der hindunationalistischen Regierungspartei.

Weil diese wegen der katholischen Mehrheit in seiner Heimatregion keine Chance haben, wollte sie dort einen großen Hafen bauen – mit dem Hintergedanken, dass die meist katholischen Fischer dann 200 Kilometer weit umgesiedelt werden müssten. Doch nach Protesten der Bevölkerung habe man das Projekt gestrichen. In der Seelsorgeeinheit wird er vor allem Gottesdienste feiern und Sakramente spenden. Ein Jahr lang wird er mit Mentoren in die Schule gehen und danach auch Religionsunterricht erteilen. Seine Hobbys sind Schwimmen, Basketball und Federball, und er liest auch gerne, vor allem Poesie. Neu für ihn sind Schnee und tiefe Temperaturen, aber der Empfang, den man ihm bereitet hat, war alles andere als kalt: "Ich wurde freundlich aufgenommen und habe nach meiner ersten Messe positive Rückmeldungen erhalten."