"Singvögel sind flexibler"

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Di, 24. September 2019

Vörstetten

BZ-INTERVIEW den Nabu-Kreisvorsitzenden Martin Neub, der am Sonntag eine Vogelexkursion in Vörstetten leitet.

VÖRSTETTEN. Es zwitschert und fiept. Zudem ist ein Tippeln zu hören. Ein kleiner Vogel mit braunem Fell und blau schillernden Federn kommt hinter einem Ast hervor: ein Eichelhäher, wie Martin Neub erklärt. Zu sehen sein wird dieser Vogel mit großer Wahrscheinlichkeit bei einer Vogelexkursion am Sonntag, 29. September, in Vörstetten. Vorab erklärte Vogelexperte Neub vom Nabu Emmendingen Jacqueline Ezsöl, wie sich Vogelarten unterscheiden lassen.



BZ: Welche Vogelarten gibt es in Vörstetten und Umgebung ?

Neub: Mit etwas Glück sehen wir auf unserer Wanderung 20 bis 30 Arten. In und um Vörstetten trifft man zum Beispiel Bunt- und Schwarzspechte, Turmfalken, Mäusebussarde, Bienenfresser, aber auch verschiedene Finken- und Meisenarten, Heckenbraunellen, Eichelhäher, Feldlerchen und vielleicht sogar Eisvögel. Einige von ihnen sind Zugvögel und nicht ganzjährig in Vörstetten beheimatet.
BZ: Wie lassen sich die Arten unterscheiden?

Neub: An der Größe, dem Gefieder, dem Gesang oder den Kontaktrufen, aber auch an Schnabelformen, Flugverhalten und Bewegungsabläufen. So sehen sich Star und Amsel rein äußerlich ähnlich, jedoch watschelt der Star, wohingegen die Amsel sich eher hüpfend bewegt – sowohl am Boden als auch im Flug. Auch der Wespen- sowie der Mäusebussard sehen sich ähnlich. Ersterer hat aber einen vorgezogenen Kopf und einen längeren und schmaleren Schwanz. Auch der Flügelschlag beider Vögel unterscheidet sich. Ich finde es spannend, die Stimmen der einzelnen Vögel kennenzulernen. Im Wald hört man nämlich 80 Prozent der Vögel, noch bevor man sie sieht.
BZ: Wie sind die Lebensbedingungen der Vögel in Vörstetten?

Neub: Zugvögel sind ganzjährig auf Insekten angewiesen, deswegen machen sie sich im Winter Richtung Süden auf. Die Singvögel hingegen sind flexibler und passen ihre Ernährung den Gegebenheiten im Winter an. Wir beobachten, dass der Bestand der Braunkehlchen deutlich abgenommen hat. Das könnte daran liegen, dass sich ihr Lebensraum verändert hat. Die Vögel brauchen ein feuchtes Umfeld, das seltener geworden ist. Auch der Neuntöter ist seltener geworden. Er ist auf eine bestimmte Heckenstruktur in offener Landschaft angewiesen. Das heißt, er braucht Sträucher und Gebüsch. Eichelhäher sieht man in diesem Jahr auffällig viele. Möglicherweise war die Brut gut und es gab viel Futter. Es ist aber nicht ungewöhnlich, dass es Schwankungen in der Population des Eichelhähers gibt. Auch die Zahl der Schwarzkehlchen hat zugenommen. Diese besiedeln auch neue Lebensräume wie Weinberge und Landschaften mit Heckenstruktur.

Martin Neub, 70, wohnt in Denzlingen. Er ist Biologe und Vorsitzender des Naturschutzbundes Nabu im Landkreis Emmendingen.

Die Vogelexkursion startet am Sonntag, 29. September, um 8 Uhr am Naturgarten Vörstetten. Ein Fernglas sollte mitgebracht werden. Die Teilnahme kostet acht, für Nabu-Mitglieder drei Euro. Anmeldungen nimmt die VHS entgegen unter Tel. 07641/92250.