VON HERZEN: Von Worten und Berührungen

Michael Heilemann

Von Michael Heilemann

Sa, 07. November 2020

Liebe & Familie

Bammel vor einem Bewerbungsgespräch? Statt irgendeine Pille einzuwerfen, lassen Sie sich besser von einem lieben Menschen eine Schulter-Nacken-Massage angedeihen.

"Berührungen regeln unsere Stresssysteme herunter", sagt Markus Heinrichs, Psychologe an der Universität Freiburg. Studien, bei denen unter anderem der Cortisol-Spiegel gemessen wurde, hätten ergeben, dass die schützende Wirkung von Berührungen bis zu 90 Minuten lang anhält.

Ein weiteres interessantes Resultat: Es zeigte sich, dass Frauen auch mit Worten berühren können. Etwa indem sie ihre Männer mit einem "Mensch, du schaffst das schon" aufmunterten. Männern ist diese Gabe in der Regel nicht beschieden. Sie neigen dazu, ihre Frauen "instrumentell", wie die Psychologen sagen, unterstützen zu wollen, also mit gutgemeinten Ratschlägen und Handlungsanweisungen ("Zuerst machst du das und dann das ... ) zu überschütten. Was aber alles andere als stressreduzierend wirkt. Im Gegenteil: "Frauen, die allein kamen oder von einem fremden Mann unterstützt wurden, kamen besser durch den Stresstest", sagt Heinrichs.
Was tun also, liebe Männer? Am besten, den Mund halten und der Frau einfach nur Schultern und Nacken massieren. "Das schützt vor Stress, egal wer es macht."