Hechingen und Haigerloch

Meinrad Bumiller

Von Meinrad Bumiller

Sa, 15. Juni 2019

Waldkirch

Studienfahrt Bildungswerk / Thema: Jüdisches Leben in Deutschland und die Erinnerung heute .

WALDKIRCH (BZ). Nach Hechingen und Haigerloch führte eine Fahrt des Ökumenischen Bildungswerks. Thema war: Jüdisches Leben in Deutschland und die Erinnerung heute. Der Bus von Bernward Lindinger war mit 35 Personen gut gefüllt. Eine kurze Einführung zur Geschichte Hohenzollerns stimmte die Teilnehmer ein.

In Haigerloch wartete Dr. Rainer Schimpf vom Haus der Geschichte in Stuttgart. Er erzählte, dass in dieser kleinen Stadt seit dem 16. Jahrhundert eine größere jüdische Gemeinde in einem abgegrenzten Stadtteil lebte. Sie hatte eine Synagoge und einen Friedhof. In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurde die Synagoge demoliert. Ein Teil der jüdischen Bürger konnte auswandern – andere wurden in die Konzentrationslager deportiert. Nach dem Krieg diente die ehemalige Synagoge als Geschäft und als Kino. Schließlich begann die Erinnerungs-arbeit engagierter Bürger und Bürgerinnen (http://www.synagoge-haigerloch.de Mit Unterstützung aus dem Haus der Geschichte entstand in der ehemaligen Synagoge eine Ausstellung zur Geschichte der Juden in Hohenzollern. Jeder ausgestellte Gegenstand, jedes Foto erzählte vom Leben der Mitbürger jüdischen Glaubens und von ihrer Vertreibung. Nachfahren jener, die nach Amerika fliehen konnten, hatten die Erinnerung an die alte Heimat wachgehalten. Zum Beispiel das Foto eines stolzen Vaters mit seinen beiden Töchtern vor der Hohenzollernburg.

Nach einem guten schwäbischen Mittagessen ging es weiter nach Hechingen. Lothar Vees, Leiter der Initiative Hechinger Synagoge (http://www.synagogehechingen.jimdo.com begrüßte die Gäste aus Waldkirch in der restaurierten Synagoge mitten in der Altstadt. Auch in Hechingen gab es viele jüdische Bürger. Unter den Hechinger Juden waren Ärzte, die moderne Gesundheitsvorsorge propagierten und Unternehmer, die die ersten Textilfirmen aufbauten. Die Synagoge wurde von den Nazis demoliert aber nicht angezündet, weil sonst die ganze Altstadt gebrannt hätte. Auch hier gab es nach dem Krieg zunächst – Vergessen. Die Synagoge wurde Lagerschuppen. Einzelne Bürger begannen in den 1970-er-Jahren mit der Erinnerung. Dokumente wurden gesichtet, Kontakt zu Überlebenden, verstreut in der ganzen Welt, hergestellt. Durch Steuergelder und Spenden gelang es den ursprünglichen Zustand der Synagoge aufwändig wiederherzustellen. Heute gilt sie als eine der schönsten in Süddeutschland. Die Initiative wollte nicht nur an die Vertreibung der Mitbürger im Nationalsozialismus erinnern, sondern an die kulturellen Beiträge jüdischer Mitbürger über die Jahrhunderte. Heute finden in der ehemaligen Hechinger Synagoge regelmäßig Vorträge, Lesungen und auch Konzerte statt. Auch wenn es keine jüdische Gemeinde mehr hier gibt, so bleibt ihre Kultur und ihr Glaube in der Stadt doch lebendig.