Silberfische, Kakerlaken und Co.

Was Mieter bei Ungeziefer im Haus machen können und machen sollten

Sabine Meuter

Von Sabine Meuter (dpa)

Mi, 30. September 2020 um 14:44 Uhr

Haus & Garten

Es gibt Ungeziefer in der Wohnung, im Keller oder am Haus? In einem solchen Fall sollten sich Mieter umgehend an ihren Vermieter wenden.

Tauben hinterlassen Dreck auf dem Fensterbrett, im Keller tummeln sich Kakerlaken, im Bad gibt es Silberfische, an der Fassade krabbeln Ameisen: Ungeziefer am oder im Haus ist lästig oder gar eine Gefahr für die Gesundheit.

Mieter sollten in solchen Fällen nicht zögern, sondern umgehend den Vermieter über den Befall informieren. Denn grundsätzlich ist es dessen Aufgabe, Schädlinge zu beseitigen. Schließlich hat er die Wohnung "in einem gebrauchsfähigen Zustand zu halten", sagt Julia Wagner vom Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland in Berlin. Der Vermieter trägt dann auch die Kosten für eine Schädlingsbekämpfung. "Ungeziefer am oder im Haus ist ein Mangel der Mietsache", stellt auch Rolf Janßen vom DMB Mieterschutzverein in Frankfurt/Main klar. Bis zur Beseitigung des Mangels könne unter Umständen die Miete gemindert werden.

Mieter können Schädlinge auch selbst bekämpfen – bekommen aber nicht immer die Kosten erstattet

Ist etwa durch Taubenkot ein Balkon unbenutzbar, muss der Vermieter etwas tun, um die Vögel dauerhaft fernzuhalten. Er kann zum Beispiel Taubenstacheln am Balkon anbringen oder Netze spannen. "Für den Mieter kommt bei gesundheitlichen Schäden sogar Schmerzensgeld in Betracht, wenn der Vermieter untätig bleibt", erklärt Janßen.

Natürlich können Mieter Schädlinge auch selbst bekämpfen. "Allerdings können sie die Kosten dafür vom Vermieter nur unter einer bestimmten Voraussetzung zurückfordern", erklärt Wagner. Und zwar muss der Mieter den Vermieter zuvor mit angemessener Frist und am besten schriftlich dazu aufgefordert haben, die Schädlinge zu beseitigen – und der Vermieter ist dieser Pflicht dann nicht nachgekommen. Wenn Mieter selbst dem Ungeziefer zu Leibe rücken, müssen sie den Vermieter trotzdem informieren. Denn er muss bewerten, ob er ebenfalls tätig werden muss, um die Immobilie instandzuhalten.

Versäumt es der Mieter, den Vermieter zu informieren und vergrößert sich dadurch die Plage oder es entstehen sogar Schäden, kann der Vermieter Schadenersatz geltend machen, so Wagner. Ihr Rat: Schon im Mietvertrag sollte der Hinweis stehen, dass bei Schädlingsbefall unverzüglich der Vermieter zu informieren ist. So kann dieser nicht erst tätig werden, wenn das Ungeziefer sich bereits ausgebreitet hat.

Mieter müssen darauf achten, dass sie das Ungeziefer nicht anlocken

Sind es nur einzelne Schädlinge, so muss der Mieter sie hinnehmen. So befand das Amtsgericht Köln, dass einzelne Ameisen alleine in der Regel nicht dazu führen, dass der vertragsmäßige Gebrauch einer Wohnung beeinträchtigt ist (Az: 213 C 548/97). Davon könnte erst die Rede sein, wenn es zu einer richtigen Besiedlung durch Ameisen kommt.

Mieter müssen aber auch darauf achten, dass sie nicht selbst unerwünschte Mitbewohner anlocken. Das Füttern von Tauben beispielweise ist unzulässig. "Da von Tauben Verschmutzungen, Geräuschbelästigungen und Ungeziefergefahren ausgehen, dürfen Mieter sie nicht füttern", so Janßen. Missachten Mieter dieses Verbot, kann es nach einer Abmahnung sogar zu einer fristlosen Kündigung kommen.