Sigmar Gabriel und Tönnies

Was wäre denn, wenn das alles deutsche Mitbürger wären?

Richard Müller

Von Richard Müller (Freiburg)

Mi, 15. Juli 2020

Leserbriefe

Zu: "Die Stunde der Heuchler", Tagesspiegel von Thomas Fricker (Politik, 3. Juli)
Der Kommentar trifft den Nagel auf den Kopf. Die Zustände in den Fleischfabriken überall in Deutschland sind schon seit mindestens 20 Jahren ein einziger Skandal und die Politiker aller Parteien haben dies immer gewusst. Wenn sie es nicht gewusst hätten oder so tun, als wären sie jetzt überrascht, dann sind diese Damen und Herren nach meiner Auffassung von Anfang an fehl am Platz.

Aber so ist es nun mal: Es zählt nur der Umsatz und das Geld. Natürlich geht es um Arbeitsplätze in den einzelnen Wahlkreisen. Dann sollte man aber zugeben, dass die derzeitigen Missstände deshalb in Kauf genommen werden. Und das Wohl der Arbeiterinnen und Arbeiter in den Schlachthöfen ist geradezu egal. Dies betrifft auch die Umstände der Unterkünfte für diese Menschen und sonstige Dinge, die den Aufenthalt im Schlachthof und außerhalb betreffen. Alle haben es gewusst, Politiker, Gewerkschaftler, Kirchenvertreter und alle anderen Gutmenschen, die sonst immer mit dem Zeigefinger schnell dabei sind, wenn es um solche Missstände geht.

Was wäre, wenn die Werktätigen alles deutsche Mitbürgerinnen und Mitbürger wären? Man muss sich mal vorstellen: Eine ganze Menge der Schlachtprodukte geht ins Ausland, besonders die Fleischanteile, die hier nicht besonders beliebt sind. Dazu haben wir in der Umgebung der Schlachthöfe auch noch die Entsorgung der Exkremente am Hals. Unsere Böden sind mit Nitrat verseucht, und es wird kaum etwas dagegen getan. Nun heben auch Moralapostel den Finger und fordern weniger Fleischkonsum und vor allem weniger Billigfleischkonsum. Das wäre nicht verwerflich, ist aber oft verlogen, wenn man das Einkaufsverhalten der Leute bei Aldi, Lidl & Co. beobachtet. Da sind auch eine ganze Menge Moralapostel dabei.

Manchmal glaube ich fast, dass ich der Einzige bin, der bei Aldi schon Fleisch eingekauft hat und das nicht leugnet, alle anderen sind die reinsten "Saubermänner". Richard Müller, Freiburg