"Was zählt ist, dass wir nach Tokio fahren"

Johannes Bachmann

Von Johannes Bachmann

Mo, 02. März 2020

Radsport

Domenic Weinstein löst mit BDR-Vierer Olympiaticket und verpasst im Einzel klar eine Medaille.

BERLIN. "Klar, hatte ich mir mehr erhofft", blickt Domenic Weinstein (25), auf zwei aufregende Tage bei der Bahnrad-Weltmeisterschaft im Berliner Velodrom zurück. Die Hoffnung auf zwei WM-Medaillen erfüllte sich nicht, dennoch ist für den kraftvollen Rouleur aus Unterbaldingen, der als Sportsoldat in Frankfurt/Oder stationiert ist und dort auf der Bahn seine Trainingsrunden dreht, die WM ein Erfolg: "Was zählt ist, dass wir nach Tokio fahren", sagt Weinstein.

Vor dreieinhalb Jahren war er mit dem BDR-Vierer bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro auf Rang fünf gefahren – jetzt ist das sympathische Kraftpaket aus dem Bad Dürrheimer Ortsteil Unterbaldingen erneut im Zeichen der Ringe am Start. Bereits in der Qualifikation machten Felix Groß, Nils Schomber, Domenic Weinstein und Theo Reinhardt mit deutschem Rekord (3:50,304) Minuten über 4000 Meter auf dem 250 Meter langen Bahnoval aus gehobelter sibirischer Fichte alles klar und schafften als Gesamtsiebte den Sprung zu Olympia.

Doch Bundestrainer Sven Mayer wollte mehr und stellte im ersten Platzierungslauf gegen den britischen Vierer taktisch auf. Nils Schomber musste Leon Rohde Platz machen. "Am Anfang lief’s super", erinnert sich Weinstein, "wenn wir das durchgehalten hätten, wären wir auf eine Endzeit von 3:48 Minuten gekommen". Doch nach 3000 Metern platzte der Viererzug: Rohde geriet völlig ausgepowert aus dem Tritt, Weinsteins Versuch, ihn wieder ans Gespann heranzuführen, scheiterte – und so war die Chance aufs Weiterkommen dahin. "Wenn es perfekt gelaufen wäre, hätten wir Fünfte werden können", so Weinstein, "aber eine Medaille war außer Reichweite". Grund für Vorwürfe gebe es nicht: "Dass der Vierer platzt, damit muss man rechnen." Dennoch gebe es Grund zur Zuversicht. Er und seine Bahnkollegen seien auf einem guten Weg. "Wir haben noch sechs Monate Zeit für den Olympia-Feinschliff."

In der 4000-Meter-Einerverfolgung, auf die er sich nach vierwöchiger Verletzungspause nicht perfekt vorbereiten konnte, erlebte Domenic Weinstein eine Leistungsexplosion der internationalen Konkurrenten: Der Italiener Filippo Ganna, dem Weinstein vor einem Jahr beim WM-Finale in Polen unterlegen war, sicherte sich in 4:01,943 Minuten überlegen den WM-Titel. Für Weinstein war schon in der Qualifikation mit Rang neun Schluss – und das in 4:12,571 Minuten mit einer Zeit, die vor zwei Jahren zum EM-Titel gereicht hätte.