Wassergräber mit vier Hufen

Roland Knauer

Von Roland Knauer

Fr, 30. April 2021

Bildung & Wissen

Pferde und Esel in der Wüste.

In den trockenen Regionen dieser Welt wie der Sonora- und der Mojave-Wüste in Nordamerika oder der "Painted Desert" genannten Wüste im Süden Australiens scharren verwilderte Pferde und Esel mit ihren Hufen den lockeren Sand oder Kies oft so lange nach hinten, bis sie in Tiefen von einem und manchmal sogar zwei Metern das Grundwasser erreichen.

In diesen selbst gegrabenen Brunnen stillen die Tiere aber nicht nur den eigenen Durst: Viele andere Arten wie Maultierhirsche und Rotluchse kommen zum Trinken ebenfalls an die von Pferden und Eseln gegrabenen Wasserlöcher. An diesen Wasserlöchern ist die Artenvielfalt höher als in anderen Regionen, berichten Erick Lundgren von der Technischen Universität Sydney in Australien und der Universität im dänischen Aarhus und sein Team in der Zeitschrift Science. Die verwilderten Esel und Pferde sind also Ökosystem-Ingenieure, die ähnlich wie Biber ihre Umwelt umgestalten und so mehr Leben in die trockenen Regionen bringen. Sie könnten den durch den Klimawandel drohenden Artenverlust verringern, vermuten Erick Lundgren und sein Team.

"Einen beeindruckenden Artikel" nennt Jörg Melzheimer vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin die Studie. Er warnt allerdings vor voreiligen Schlussfolgerungen hinsichtlich der Artenvielfalt – und denkt dabei an seine Beobachtungen in Namibia. Dort wanderten die Tierarten, wie heute noch in der Serengeti, einst den Regenfällen hinterher. Als die Farmer Brunnen für das Vieh gruben, sparten sich viele Arten die aufwändigen Wanderungen und blieben in der Gegend. Diese Veränderung kann aber einer Wüste schlecht bekommen, weil die Vegetation rasch überweidet werden kann. Dann aber kippt unter Umständen das gesamte Ökosystem.