SPD

Wer wollte von so einer Partei (mit-)regiert werden?

Klaus Hammer

Von Klaus Hammer (Schopfheim)

Do, 25. März 2021

Leserbriefe

Zu: "Wie tief ist der Riss in der SPD?", Beitrag von Jan Dörner (Politik, 9. März)

Gesetzt den Fall, die SPD will wieder in den kommenden Bundestag einziehen, dann muss sie zunächst die sogenannte Fünf-Prozent-Hürde überwinden. Gesetzt den Fall, sie will wieder mitregieren, dann braucht sie einen erklecklich größeren Anteil an Wählerstimmen als nur fünf Prozent. Ersteres erscheint wahrscheinlich, das Zweite hingegen eher unwahrscheinlich, wenn man bedenkt, dass die Partei Identitätspolitik betreibt, also Interessengruppen verstärkt vertreten will.

Wer auch nur zwei Gruppierungen vertreten will, wird wohl höchstens von denjenigen Mitgliedern dieser Gesamtmenge Zustimmung erhalten, die ziemlich ähnliche Interessen haben (Schnittmenge). Deren Anzahl ist jedoch praktisch immer geringer als die mögliche Gesamtzahl der Mitglieder beider Gruppen. Mit jeder weiteren, zusätzlichen Gruppe verringert sich diese Anzahl unweigerlich und somit die der möglichen Wählerstimmen.

Und was ist mit den Stimmen all jener Gruppen, die nicht genannt werden? Werden sich deren Mitglieder von so einer SPD vertreten fühlen? Und was ist mit der bisherigen Klientel, "dem Stammwähler"? Die Zahl der Wählerstimmen dürfte somit deutlich unter dem bei der letzten Bundestagswahl erzielten Ergebnis (20,5 Prozent) bleiben. Was macht die Partei, wenn demnächst verheerende erste Umfragen veröffentlicht werden sollten? Wird sie die Strategie wechseln? Wenn ja, was sollte man dann von so einem opportunistischen Mäntelchen-in-den-Wind-Hängen halten? Wenn nein, siehe oben. Wer wollte von so einer Partei in Zukunft (mit-)regiert werden? Ich bestimmt nicht. Klaus Hammer, Schopfheim