Friedhofsgestaltung

Wie auf dem Präsentierteller

Anna Elisabeth Rogg

Von Anna Elisabeth Rogg (Freiburg)

Mi, 22. September 2021

Leserbriefe Freiburg

Zum Bericht"Urnengräber sind nun die Regel" (BZ vom 1. September) über Umgestaltungen auf dem Bergäckerfriedhof in Littenweiler.

Das neue Urnengrabfeld wurde von Frau Gutmann offensichtlich nur unter dem durchaus gelungenen ästhetischen Aspekt geplant. Ein Platz, der Angehörige zum Verweilen einlädt, ist das ganz sicher nicht. Seit sieben Jahren besuche ich regelmäßig das Grab meines Sohnes, sitze dann ein, zwei Stunden mit einem Buch oder einer Handarbeit auf einer der vergleichsweise bequemen Spendenbänke, lasse meine Gedanken schweifen und mein Blick geht immer wieder zum Grab.

In der neuen Anlage muss man in der Mitte wie auf dem Präsentierteller sitzen, ohne Rückenlehne sehr unbequem und das ansteigende Gelände verhindert einen Blick auf das besuchte Grab – egal wo man sich hinsetzt. Wer da wohl verweilen mag? Vielleicht taugen die großzügigen Sitzgelegenheiten wenigstens als Ablagefläche für Grabschmuck? Und auch nur an einem Grab zu stehen, vor allem in der obersten Reihe, ist befremdlich:weithin sichtbar, wie auf dem Präsentierteller. Eine natürlicher gestaltete Fläche wäre nicht nur kostengünstiger gewesen, sondern würde sicher auch den Bedürfnissen der meisten Angehörigen entsprechen. Abgesehen davon wird durch die breiten Wege Platz für weitere Gräber verschenkt und auch das Mähen dürfte auf ebener Fläche einfacher sein. Da bleibt nur zu hoffen, dass bei den weiteren Maßnahmen mit mehr Einfühlungsvermögen vorgegangen wird.Anna Elisabeth Rogg, Freiburg