Wie der Gesang von Engeln

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Di, 05. Oktober 2021

Grenzach-Wyhlen

Sängerin Sylvia Nopper beschenkt sich und die Zuhörer in St. Michael mit einem Konzert mit vielsprachigen Liedern.

. Die Sängerin Sylvia Nopper hat sich und ihrem Publikum in der Kirche St. Michael in Grenzach das schönste Geburtstagsgeschenk gemacht: ein Konzert mit Lieblingsstücken aus ihrem reichen Repertoire. Unter dem Titel "Engelsjubili" erklangen vielsprachige Lieder von der Renaissance bis zur Gegenwart, in denen es um Liebe, Abend und Nacht und Himmel und Erde ging.

Um sich geschart hatte die Sopranistin und Gesangspädagogin aus Grenzach-Wyhlen, die vergangener Woche ihren 60. Geburtstag feierte, zwölf derzeitige und ehemalige Gesangsschülerinnen und Studierende aus ihrem Unterricht an der Musikakademie Basel. Viele seien inzwischen professionelle junge Sängerinnen und Sänger, andere auf dem Weg dahin, sagte Sylvia Nopper in der nach Abstandsregeln voll besetzten Kirche. Sie sei sehr glücklich, bei diesem Projekt ihre beiden Leidenschaften verbinden zu können: das Singen und das Unterrichten.

An Noppers Seite saß die Harfenistin Consuelo Giulianelli, mit der sie ein festes Duo bildet und die mit betörenden Harfenklängen die Vokalwerke aufs Klangschönste begleitete. Als hörbar vertrautes Trio erwiesen sich Sylvia Nopper (Mezzosopran), Alice Gisler (Sopran) und Sari Leijendekker (Alt).

Polyglott ging es in diesem Liederreigen in wechselnden Besetzungen quer durch verschiedene Länder und Epochen. Mit ihren klaren, zart und licht klingenden Stimmen bezauberten Sylvia Nopper und ihre Gesangsstudentinnen in "Spring" und "Summer" von Gustav Holst, in denen der Frühling und Sommer poesievoll und bildhaft beschrieben werden. Von Holst hörte man unter anderem auch die "Hymne an die Wasser", in der die Frauenstimmen und die Harfe in sanft wogenden Bewegungen das Fließen des Wassers tonmalerisch umsetzten. Impressionistisches Flair und berückenden Melodienzauber entfalteten die Interpretinnen in einem Stück von Ernest Chausson.

Auch in zwei schwedischen Volksliedern nahm der transparente Klang der Stimmen für sich ein. Voller Charme und verführerischer Delikatesse sangen Nopper und ihre Mitsängerinnen das französische Chanson "Trois Belles Demoiselles" von Pauline Viardot, einer 1821 in Paris geborenen Opernsängerin und Komponistin. Hinreißend gelang den Sängerinnen der munter tändelnde Ton in einem englischen Lied von Thomas Morley aus dem 16. Jahrhundert über eine junge Frau, die sich über den Liebeskummer hinwegtröstet.

Im Duo mit der Harfenistin zog Sylvia Nopper mit drei stilistisch unterschiedlichen Kompositionen in Bann. Lyrisch, schwebend und berührend klang ihr Gesang in César Francks "Schutzengel". Wie ein Engelsgesang in moderner Klangsprache wirkte die Auftragskomposition "Engelsjubili" von Till Alexander Körber, in der Sängerin und Harfenistin geräuschhafte Elemente, Rauschen, Flattern, Flüstern, einbrachten. In romantischen Wohlklang eintauchen konnten die Zuhörer in Abend- und Nachtgesängen wie "Abendruhe" von Karl Hering, "An den Schlaf" von Hanns Eisler nach einem Gedicht von Mörike oder in Schumanns "Triolett".

Einfühlsam im Ausdruck und in feinster Harmonie sangen Sylvia Nopper und die weiteren Mitwirkenden diese berührenden Gedichtvertonungen über die sanfte Süße und stille Ruhe des Schlafes, der dem Tod so nahe kommt. Auch in einer Psalmvertonung von Josef Rheinberger waren der textverständliche Gesang und die Harmonie der Stimmen Balsam für Ohren und Herzen. Mit der Zugabe "Schönster Abendstern" bedankten sich das Geburtstagskind und ihr Ensemble für den großen Beifall.