Wie sich die RKG-Athleten mit einer Video-Challenge fit halten

Georg Gulde

Von Georg Gulde

Fr, 03. April 2020

Ringen

In einem Zweikampfsport wie dem Ringen sind durch die Corona-Krise die üblichen Trainingsformen nicht einzuhalten – auch beim Erstligisten aus Freiburg nicht.

FREIBURG. Seit zweieinhalb Wochen ruht der Trainingsbetrieb am Olympiastützpunkt Freiburg. Auch für die Erstligaringer der RKG Freiburg, von denen sich dieser Tage mehrere für deutsche Einzelmeisterschaften in verschiedenen Kategorien vorbereitet hätten (Jugend, Junioren, Erwachsene). Durch das Coronavirus sind diese Überlegungen hinfällig, alle Titelkämpfe abgesagt.

Trainiert wird weiter. Aber allein oder zu zweit, ohne Körperkontakt. Und das in einem Kampfsport, in dem es auf das direkte Kräftemessen im Zweikampf ankommt. Das neue Ziel ist die Mannschaftssaison 2020/21, die für die RKG am 19. September mit einem Heimkampf gegen Hüttigweiler beginnen soll und für die das Team mit einem weiteren Neuzugang ergänzt wurde.

In Covid-19-Zeiten gleichen die Herausforderungen von Sportlern denen der übrigen Bevölkerung: Abstand halten, auf Distanz gehen, zu Hause bleiben. Aber Sportler neigen zu Wettkämpfen – und so haben sie auch beim Erstliga-Ringerteam aus dem Breisgau eine "Challenge" kreiert. "Ich habe die Athleten angehalten, Videos zu posten. Dann kann ich sehen, wer was macht. Dadurch wird der Ehrgeiz geweckt, einer will den anderen übertreffen", sagt der Freiburger Trainer Luigi Tascillo.

Wenn der eine joggt, dann will der Nächste neben dem Laufen auch noch Liegestütze in sein Übungsprogramm einbauen, der Dritte glänzt zusätzlich mit einigen Salti. Auch Treppenläufe, Baumstammwerfen und Medizinballschleppen sind in den Videoschnipseln zu sehen, oft gepaart mit dem in der Kraftsportszene häufig verwendeten und von Anerkennung zeugenden Hinweis: "Du Maschine." Und in einer Videosequenz ist so etwas wie Schattenringen zu sehen, wenn Co-Trainer Ion Vasilachi und sein moldawischer Landsmann Mihail Lapp Angriffs- und Abwehrbewegungen simulieren – ohne Körperkontakt und tatsächlich im vorgegebenen Mindestabstand von 1,5 Metern.

So pushen sie sich bei der RKG ein wenig in einer Phase des Lebens, in der die Klarheiten und Selbstverständlichkeiten zu schwinden oder zu verschwimmen drohen. Es ist eine Phase, in der ihnen die untergeordnete Rolle ihres Sports besonders deutlich vor Augen geführt wird, in der sie aber eben auch durch ihren Sport manchmal die aktuellen Sorgen um die Gesundheit von Mitmenschen und sich selbst für einige Minuten vergessen können und wollen. Und vielleicht küren sie bei der RKG beim ersten gemeinsamen Training nach der Coronavirus-Zeit vereinsintern das beste Video ja mit einem selbst gebastelten Oscar.

Wann das erste gemeinsame Training stattfinden wird, weiß derzeit natürlich keiner. Der Beginn der neuen Bundesligasaison wurde vom Deutschen Ringer-Bund (DRB) auf den 5. September gelegt. Da es in der Gruppe Südwest neun Mannschaften gibt, hat die RKG Freiburg am ersten Samstag im September kampffrei. Wenn das Coronavirus es zulässt, greifen die Freiburger Griffkünstler zwei Wochen später ins Geschehen ein – in der St. Georgener Festhalle gegen den ASV Hüttigweiler.

Dann dürfte auch Mirco Rodemich dabei sein. Den deutschen Vizemeister der Aktiven und Dritten bei den Junioren im griechisch-römischen Stil bis 60 Kilo verpflichteten die Südbadener vom württembergischen Klub ASV Schwäbisch Hall. Zuvor hatte der Vorjahres-Viertelfinalist und Playoff-Teilnehmer bereits Leon Gerstenberger (bisher Hausen-Zell) und den moldawischen EM-Starter Maxim Sacultan unter Vertrag genommen.