Wieder salutiert

dpa

Von dpa

Mi, 16. Oktober 2019

Fußball-EM

Türkische Fußball-Nationalspieler beim 1:1 in Frankreich mit Militärgruß / Bundesliga-Profis Ayhan und Karaman nicht beteiligt.

SAINT-DENIS (dpa). Erneut salutieren türkische Nationalspieler im Rahmen eines Fußballspiels auf dem Platz. Diesmal beim 1:1 in der EM-Qualifikation in Paris bei Weltmeister Frankreich.

Der Düsseldorfer Bundesliga-Profi Kaan Ayhan hat sich dem militärischen Gruß einiger Mitspieler nach seinem Ausgleichstreffer in der 81. Minute nicht angeschlossen. Dabei hatte die Mehrzahl der türkischen Profis mit dem Militärgruß salutiert, um damit die türkischen Streitkräfte zu unterstützen, die am Militäreinsatz gegen die Kurdenmiliz YPG in Nordsyrien beteiligt sind. Dieser Einsatz wird international scharf kritisiert. Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, habe es nach der politischen Geste einen kurzen Disput zwischen Verteidiger Merih Demiral von Juventus Turin und Ayhan gegeben. Demiral soll den Torschützen dazu animiert haben, ebenfalls zu salutieren. Dieser habe aber seinen Weg zurück aufs Feld fortgesetzt, was Fotos aus dem Stadion belegen. Auch sein Düsseldorfer Teamkollege Kenan Karaman soll sich nicht an dem militärischen Jubel beteiligt haben.

Bereits nach einem ähnlichen Militärgruß nach dem 1:0-Sieg der Türken am Freitag gegen Albanien hatte die Europäische Fußball-Union Uefa angekündigt, ein Verfahren gegen den türkischen Verband einzuleiten. Das Regelwerk des europäischen Verbandes verbietet politische Äußerungen in Stadien. Die Türkei-Profis hatten direkt nach dem Siegtreffer und später auch in der Kabine mit der Hand an der Stirn salutiert. Unter ihnen waren dort auch die beiden Bundesligaprofis Ayhan und Karaman.

Fortunas Sportvorstand Lutz Pfannenstiel hatte umgehend das Gespräch mit beiden Spielern gesucht. Beide Akteure versicherten, dass es sich lediglich um eine Solidaritätsbekundung für Soldaten und ihre Angehörigen handelte, verbunden mit dem Wunsch, dass sie wieder gesund zu ihren Familien zurückkehren können. "Wir sind davon überzeugt, dass ihnen nichts ferner lag, als ein politisches Statement abzugeben", erklärte Pfannenstiel. Die Fortuna distanziere sich in aller Deutlichkeit von jeglicher vermeintlich politisch motivierter Handlung, die gegen die Werte des Vereins verstoße.

Die zuständige Kontroll-, Ethik- und Disziplinarkammer der Uefa soll sich nach dpa-Informationen an diesem Donnerstag mit der Problematik befassen. Ob dann schon mögliche Sanktionen verhängt werden, die von einer Ermahnung über Geldstrafen bis hin zu Platzsperren und Punktabzügen reichen können, ist aber fraglich.

Zuschauer der Begegnung haben Medienberichten zufolge für ein Ende des türkischen Militäreinsatzes in Nordsyrien demonstriert. Ein Banner mit der Aufschrift "Hört auf Kurden zu massakrieren" ("Arrêtez de massacrer les Kurdes") sei am Montag in der 86. Spielminute in den Besucherrängen nach oben gehalten worden, berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP.

Eine Reaktion kam auch aus Italien. Der italienische Sportminister Vincenzo Spadafora hat wegen der türkischen Militäroffensive, dass nächste Champions-League-Finale nicht in Istanbul auszutragen. "Ich bitte Sie, zu überlegen, ob es nicht inopportun ist, das für den 30. Mai 2020 geplante Finale der Uefa Champions League in Istanbul beizubehalten", schrieb Spadafora laut der Nachrichtenagentur Ansa an Uefa-Präsident Aleksander Ceferin.

In Deutschland hat der Bayerische Fußball-Verband angekündigt, Nachahmer vor das Sportgericht zu zitieren. Ein Salut-Jubel, war bereits bei zwei Partien im bayerischen Amateurfußball zu sehen gewesen.