Fünf Weltcups im Schwarzwald

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

So, 22. November 2020

Wintersport

Zuerst kommen die Skispringer Anfang Januar 2021.

Auch in diesem Winter soll es wieder fünf Weltcup-Wochenenden im Schwarzwald geben – vorausgesetzt, der Schnee reicht aus.

Gleich zwei Skisprung-Highlights gehen in Titisee-Neustadt über die Bühne: eins für die Männer und eins für die Frauen. Unmittelbar nach der Vierschanzentournee gleiten Markus Eisenbichler, Karl Geiger und Co. vom Bakken der Hochfirstschanze. Der Doppelweltcup in der Wälderstadt am 9. und 10. Januar 2021 wird ohne Zuschauer ausgetragen, aber natürlich live im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen sein. Gleiches gilt für die beiden Weltcup-Springen der Frauen am 30. und 31. Januar 2021, ebenfalls in Titisee-Neustadt. Die Organisatoren haben im Schmiedsbachtal wieder Schnee im sogenannten Schwarzwaldgletscher übersommert. Selbst dann, wenn es erneut so wenig schneien und so warm sein sollte wie im vergangenen Winter, stehen die Chancen also gut, dass zumindest die Männer, vielleicht aber auch die Frauen noch springen können.

Sie sollten ursprünglich nicht vom Bakken der Großschanze in Titisee-Neustadt gehen, sondern auf der Adlerschanze in Hinterzarten zu Tal gleiten. Wegen eines Planungsfehlers wird die Anlage dort aber nicht rechtzeitig fertig. Der neue Anlauf, der neue Schanzentisch und der alte Turm passen nicht zusammen.

Krasser Messfehler in Hinterzarten

Der Messfehler soll beachtlich sein. Nach einem Bericht der Badischen Zeitung könnte es um mehrere Dutzend Zentimeter gehen. Die Renovierung des Bakkens hat schon rund drei Millionen Euro gekostet, nach Lage der Dinge muss nun erheblich nachgebessert werden. In Hinterzarten fürchtet man sogar, dass auch der Sommer-Grandprix 2021 auf bewässerten Kunststoffmatten dem Planungsdesaster zum Opfer fallen könnte. Ein Gutachten darüber, wer für den Fehler verantwortlich ist und welche zusätzlichen Arbeiten erforderlich werden, stand bei Redaktionsschluss noch aus.

Für die Cross-Piste am Feldberg braucht’s keine feste Anlage, dafür aber rund 20 Mal mehr Schnee als für die Belegung eines Schanzenauslaufs. Je nach Länge der kunstvoll modellierten Spezialpiste können das 50 000 Kubikmeter sein. So viel wird in diesem Winter wieder für die Weltcups der Skicrosser (29. bis 31. Januar 2021) und für die der Snowboardcrosser (5. bis 7. Februar 2021) am Seebuck benötigt. Schon jetzt steht fest: Wie in Titisee-Neustadt werden auch im Zielbereich des Seebucks keine Zuschauer zugelassen sein. Die wilden Wettkämpfe der jeweils vier Starter pro Lauf lassen sich aber auch gut von der Skipiste aus beobachten.

Die Schonacher können ihr Weltcupfinale in der Nordischen Kombination vom 19. bis 21. März 2021 ebenfalls nur dann austragen, wenn es zuvor entweder kräftig schneit oder aber in eiskalten Nächten genügend Kunstschnee geschossen werden kann, um die Langlaufstrecke im Schmiedsbachtal zu belegen.

Im Winter 2019/2020 fand nur ein Weltcup statt

Die Saison 2019/2020 war in dieser Hinsicht keine Werbung für den Wintersport im Schwarzwald. Nur das Männer-Skispringen in Titisee-Neustadt konnte stattfinden, die anderen vier Weltcups fielen dem Schneemangel und den viel zu hohen Temperaturen zum Opfer.

Welche Rolle der Klimawandel in diesem Winter spielen wird, wie sich die Corona-Pandemie auf den Wettkampfkalender auswirkt – es wird in wohl allen Einzelsportarten eine Saison der Ungewissheiten werden. Die Skispringerinnen dürfen nach zahlreichen Absagen wegen immens aufwendiger Schutzkonzepte oder auch hoher Ansteckungszahlen in den Ausrichterländern vielleicht erst Ende Januar 2021 in ihre Wettkampfserie starten.

Die Skispringer hingegen machten gestern den Anfang im polnischen Wisla mit einem Teamspringen (es endete erst nach Redaktionsschluss). Am heutigen Sonntag um 16 Uhr ist ein Einzelwettkampf geplant. Auch an der Adam-Malysz-Schanze, normalerweise ein Magnet für viele zehntausend Fans, sind diesmal keine Zuschauer erlaubt.