Werbeanzeigen

WIR MÜSSEN REDEN: Die Redaktion ist außen vor

Manuela Müller

Von Manuela Müller

Sa, 26. September 2020

Wir müssen reden

Zwei Gurken waren kürzlich Stein des Anstoßes. Illustriert wurde mit dem Gemüse eine in der BZ erschienene Werbeanzeige für ein Potenzmittel. Der Vorwurf: Wie kann eine seriöse Zeitung so eine Anzeige veröffentlichen? Dazu sind zwei Aspekte zu erklären – der Trennungsgrundsatz zwischen Anzeige und Redaktion sowie das Finanzierungsmodell von Zeitungen.

Im Pressekodex (Ziffer 7) steht: "Redakteure [...] achten auf eine klare Trennung zwischen redaktionellem Text und Veröffentlichungen zu werblichen Zwecken." Die Redaktion hat also mit den Inhalten von bezahlter Werbung nichts zu tun. Darum kümmert sich die Anzeigenabteilung. Diese prüft beispielsweise, ob potenzielle Kunden ins Handelsregister eingetragen sind, und lässt sich durchaus auch durch einen Ausweis deren Identität bescheinigen. Unternehmen, gegen die etwa wegen Betrugsverdachts ermittelt wird, dürfen in der BZ keine Anzeigen schalten. Aber der zahlende Kunde bestimmt auch den Inhalt seiner Werbung.

Und "zahlen" ist hier das entscheidende Stichwort, das die Leserinnen und Leser direkt betrifft. Denn ohne Werbeanzeigen wäre die Tageszeitung ein teures Luxusgut. Bis die BZ im Briefkasten landet, entstehen hohe Kosten. Denen gegenüber stehen die Erlöse aus dem Anzeigengeschäft und dem Verkauf der Zeitung. Das Verhältnis liegt heute bei etwa zwei Dritteln der Kosten, die die Leser tragen, und einem Drittel durch Anzeigen. Das war schon einmal anders herum. Mein Tipp bezüglich seltsamer Anzeigen lautet daher: Freuen Sie sich darüber, dass ein Unternehmen in Ihre BZ investiert und damit Ihren Geldbeutel schont – und ignorieren Sie die Gurken einfach!