Tagung in Freiburg

Wissenschaftler erklären, warum Sportler wie Helden verehrt werden

Andreas Strepenick

Von Andreas Strepenick

Sa, 26. Oktober 2019 um 11:51 Uhr

Sportpolitik

BZ-Plus Siegreiche Athleten werden gepriesen wie einst die Protagonisten antiker Sagen. Das liegt nicht nur an ihren Leistungen – sondern auch an Tricks von Politikern und Sponsoren.

Odysseus, der Grieche aus der Sage, musste sich tüchtig quälen, bevor die Menschen ihn für einen Helden hielten. Erst kämpfte er zehn Jahre lang im Krieg gegen Troja. Dann begab er sich auf die Heimreise, die noch einmal genauso so lange dauerte. Auf seiner Irrfahrt, der Odyssee, kämpfte er gegen Riesen, begab sich hinab in das Reich der Toten, überlebte schreckliche Stürme und entging dem verhängnisvollen Gesang der Sirenen nur dadurch, dass er sich am Mast seines Schiffes festbinden ließ.

Er navigierte furchtlos hindurch zwischen Skylla und Charybdis, einem sechsköpfigen Ungeheuer und einem Wasserstrudel, der ihn in die Tiefe zu ziehen drohte. Leider fraß das Ungeheuer sechs seiner Männer. Aber die Reise musste weiter gehen. Mal wurde er reich beschenkt, mal trachteten finstere Gestalten ihm nach dem Leben. Poseidon, der Gott des Meeres, schleuderte ihn aus seinem Boot und hielt auch sonst eine Gemeinheit nach der anderen für ihn bereit. Mit zwölf Schiffen war Odysseus einst in See gestochen. Am Ende blieb ihm nur noch ein Floß. Er verlor alle seine Gefährten und kehrte zurück in eine Heimat, die er nicht mehr wiedererkannte.

An Helden und Superstars mangelt es im 21. Jahrhundert nicht
Heute muss man sich so viel Mühe nicht mehr machen, um ein Held zu sein. Frederik Rönnow, Torwart des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt, hielt sehr gut vor einer Woche im Spiel gegen Bayer Leverkusen. Die Eintracht gewann 3:0. Rönnow sei der "Held des Abends" gewesen, schrieben die Sportreporter. Jan Frodeno, ein Triathlet, gewann gerade erst zum dritten Mal einen besonders harten Ausdauer-Wettkampf auf Hawaii. Er sei nun der "Ironman-Held", titelte die Bild-Zeitung, und habe sich "unsterblich" gemacht. Der Spiegel annoncierte Frodeno als "Triathlon-Superstar" und schrieb von einer "klassisch-tragischen Heldengeschichte". Die Welt des Sports strotzt vor Helden und Stars. Die Helden von Bern. Die WM-Helden von Rio. Superstar Lionel Messi. Superstar Cristiano Ronaldo. Superstar Tiger Woods. Superstar Dirk Nowitzki. Die größtmögliche Form der Überhöhung? Ach was.

Beim britischen Formel-1-Rennfahrer Lewis Hamilton ...

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