Wohnungslosigkeit von vornherein verhindern

Dorothee Philipp

Von Dorothee Philipp

Di, 20. August 2019

Müllheim

Armin Schuster informiert sich im Rahmen einer Sommertour über die Arbeit der Müllheimer Tagesstätte für Wohnungslose.

MÜLLHEIM. Über die Arbeit der Müllheimer Tagesstätte für Wohnungslose informierte sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Armin Schuster im Rahmen einer Sommertour durch seinen Wahlkreis. An der Gesprächsrunde beteiligt waren auch Müllheims Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich und Thomas Rutschmann, Referatsleiter Wohnungslosenhilfe im AGJ-Fachverband, der auch die Müllheimer Einrichtung betreibt. AGJ ist der als Verein agierende Fachverband für Prävention und Rehabilitation in der Erzdiözese Freiburg.

Der Leiter der Müllheimer Einrichtung Hermann Assies konnte vom Erfolg des vom Bundesarbeitsministerium und dem Europäischen Hilfsfonds für am stärksten benachteiligte Personen EHAP getragenen Förderprojekts "Primaer" berichten, von dem auch Fördergelder nach Müllheim geflossen waren. Mit Primaer wollen die verantwortlichen Institutionen präventive Maßnahmen stärken, die verhindern sollen, dass Menschen ihre Wohnung verlieren.

Allgemein setze sich die Erkenntnis durch, dass das Verhindern von Wohnungslosigkeit leichter und kostengünstiger ist als die Betreuung und Reintegration von Menschen in Obdachlosigkeit, sagte Schuster. Die bessere Vernetzung der Einrichtungen und Behörden, die hier gefragt sind, sei ein wichtiger Schritt, waren sich alle Teilnehmer der Gesprächsrunde einig. Da hierbei persönliche Daten von Menschen in prekären Lebensumständen eine Rolle spielen, ist der Datenschutz ein wichtiges Kriterium. Trotzdem funktioniere der Austausch beispielsweise von Gerichten und den entsprechenden Einrichtungen, etwa wenn es um drohende Räumungsklagen geht.

"Wir sind hier mit dem Landkreis auf einem guten Weg", freute sich Assies. Schwer ist die Unterbringung von Menschen, die ihre Wohnung aufgeben mussten allemal: In der Region herrscht bekanntlich ein großer Druck auf dem Wohnungsmarkt, der es Personen mit geringem Einkommen fast unmöglich macht, auf regulärem Weg an eine bezahlbare Wohnung zu kommen. Hier helfe die Erfahrung der Kommunen mit der Anschlussunterbringung von Geflüchteten. Rutschmann lobte die "Graswurzelarbeit" von Assies und seinem Team. Jeder Euro, der jetzt in die Prävention fließe, sei besser angelegt, als später Unterkünfte zu finanzieren, für die die Kommunen ordnungsrechtlich verpflichtet sind, sagte er. Dass sich solche Überlegungen nicht nur moralisch, sondern auch wirtschaftlich rechtfertigen, bestätigte Siemes-Knoblich: "Es findet gerade ein Paradigmenwechsel statt", stellte sie fest. Früher hätten sich die Kommunen schwergetan, Prävention im sozialen Bereich als ein betriebswirtschaftliches, durch Zahlen quantifizierbares Produkt zu betrachten. Seit der Einführung des Neuen Kommunalen Haushaltsrechts sei das konkreter geworden. "Wir haben hier schon gute Erfahrungen gemacht", sagte die Müllheimer Rathauschefin. Sie wird auch nach der Bürgermeisterwahl im Oktober, bei der sie nicht mehr kandidiert, das Thema politisch weiterverfolgen als sozialpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im Kreistag, kündigte sie an.

Mit einem Teil des Fördergeldes wurde ein Informationsflyer finanziert, der sich an "Mietende und Vermietende" wendet mit dem Angebot einer vertraulichen, kostenlosen und individuellen Beratung. Derzeit kooperieren 25 Kommunen des Landkreises bei Primaer. In Breisach, Gundelfingen, Müllheim und Titisee-Neustadt gibt es Büros mit offenen Sprechzeiten, in denen Probleme bei drohender Wohnungslosigkeit ebenso zur Sprache gebracht werden können, wie Fragen zum Umgang mit leer stehendem Wohnraum. Eingeschlossen in die Beratung sind die Unterstützung beim Kontakt mit Behörden, die Erstberatung und Weitervermittlung bei finanziellen Problemen sowie die Beratung und Unterstützung, wenn die Wohnung nicht gesichert werden kann. Oft schon habe allein die professionelle Begleitung Vermieter überzeugt, ein Mietverhältnis trotz aktueller Probleme fortzuführen, berichtete Assies.