Zum Etappensieg reicht’s nicht ganz

dpa

Von dpa

Sa, 12. September 2020

Radsport

Die deutschen Radrennfahrer Lennard Kämna und Maximilian Schachmann belegen auf dem 13. Tour-Teilstück die Ränge zwei und drei.

(dpa/BZ). Lennard Kämna taktierte, attackierte und hatte den Sieg auf den steilen Rampen des Puy Mary dicht vor Augen – doch am Ende rollte das Riesentalent mit hängendem Kopf über den Zielstrich. Zwei Tage nach seinem 24. Geburtstag verpasste Kämna in 1589 Metern Höhe seinen ersten Etappensieg bei der Tour de France knapp. Der Fahrer des deutschen Bora-Hansgrohe-Teams belegte auf der 13. Etappe am Freitag nach 191,5 Kilometern und sieben Bergwertungen Rang zwei – hinter Daniel Martinez.

Auf den letzten Metern zog der Kolumbianer noch am deutschen Youngster vorbei. Starker Dritter wurde Kämnas Teamkollege Maximilian Schachmann. Damit wurden alle Mühen des Bora-Hansgrohe-Teams wie schon am Vortag nicht final belohnt. Der erste deutsche Etappensieg seit John Degenkolb 2018 lässt weiter auf sich warten. Dabei lief alles nach Plan. Schachmann hatte die Attacke vorbereitet und lag bis 1,6 Kilometer vor dem Ziel sogar selbst in Führung. Doch Martinez ließ sich nicht austricksen.

Der Freiburger Simon Geschke wird Etappen-Siebter

Der aus Berlin stammende und in Freiburg lebende Simon Geschke vom Team CCC schaffte seine beste Etappen-Platzierung bei der Tour in diesem Jahr. Mit 2:35 Minuten Rückstand auf den Sieger wurde Geschke Siebter. In der Gesamtwertung kletterte der 34-Jährige von Rang 87 auf Platz 75 – 1:57:39 Stunden hinter Top-Favorit Primoz Roglic (Slowenien/Team Jumbo).

Als Kämna und Co. bereits den Zielstrich passiert hatten, war der Schlagabtausch der Stars auf dem 5,4 Kilometer langen Schlussanstieg mit durchschnittlich 8,1 Prozent Steigung noch in vollem Gange. Roglic verteidigte dabei sein Gelbes Trikot und schüttelte dabei Vorjahressieger Egan Bernal (Kolumbien/Ineos Grenadiers) ab. Gesamtzweiter ist nun Roglic’ Landsmann Tadej Pogacar (UAE Team Emirates/ + 44 Sekunden) vor Bernal (+ 59 Sekunden). Die französischen Hoffnungsträger Guillaume Martin und Romain Bardet, bisher Dritter und Vierter in der Gesamtwertung, verloren dagegen einiges an Zeit. Sie sind nicht mehr unter den besten zehn des Gesamtklassements und dürften damit ihre Chancen auf einen Toursieg eingebüßt haben. Womöglich findet sich Kämna in den nächsten Jahren in der Gruppe der Sieganwärter wieder. Am Freitag deutete der Youngster wieder sein großes Potenzial an. Vergessen und verdaut waren die drei Stürze zu Beginn der Rundfahrt. Vielmehr knüpfte er an die starke Vorstellung bei der Dauphiné-Rundfahrt an, als er die Etappe nach Megève gewann.

Damals wie am Freitag bekam Kämna freie Fahrt. "So einen richtigen Leader haben wir nicht mehr, außer den Peter Sagan für die Flachetappen", sagte Kämna mit Blick auf den in der Gesamtwertung abgeschlagenen Vorjahresvierten Emanuel Buchmann, der als 27. mit 45:12 Minuten Rückstand auf Roglic dennoch bester Deutscher ist. Kämna fügte hinzu: "Wir werden jeden Tag versuchen, in die Gruppe zu gehen und um den Etappensieg mitzukämpfen. Da bekommt jeder seine Chance."

Begleitet wurde Kämna in einer 17-köpfigen Ausreißergruppe von Schachmann, der es bereits am Vortag versucht und Platz sechs belegt hatte. Der Berliner war es auch, der aus der Gruppe heraus attackierte. Der Schlussanstieg, der auf den letzten zwei Kilometern Steigungen von elf und zwölf Prozent aufwies, war aber eher auf Kämna zugeschnitten. Der Norddeutsche ist ein guter Kletterer mit einem Gardemaß von 1,81 Metern bei nur 65 Kilogramm Körpergewicht. Im Gegensatz zu Buchmann hat er auch sehr gute Zeitfahrer-Qualitäten. Alles Voraussetzungen, die Hoffnung auf mehr machen.

Das Peloton mit allen Sieganwärtern ließ es bis zu den letzten beiden Anstiegen gemächlich angehen. Und trotzdem gab es wieder Stürze. Dabei erwischte es auch den französischen Hoffnungsträger Romain Bardet, der ausgerechnet in seiner Heimat hart auf den Asphalt knallte. Auch der zweimalige Tour-Zweite und derzeit Gesamt-Fünfte Nairo Quintana (Kolumbien/Team Arkea-Samsic/+ 1:12 Minuten) konnte weiterfahren – im Gegensatz zum bis dato auf Platz 13 platzierten Niederländer Bauke Mollema, der aufgeben musste.

Unterdessen bereiten die steigenden Corona-Infektionszahlen – am Donnerstag waren es fast 10 000 Neuinfektionen in Frankreich – bei der Tour weiter Sorgen. So ging es am Freitag auch durch eine Rote Zone. Christian Prudhomme, der selbst positiv getestet wurde und daheim in Quarantäne sitzt, ist aber noch zuversichtlich. "Wir stehen seit Beginn der Tour in Verbindung mit den Gesundheitsbehörden. Wir haben zwei Szenarien, ein strengeres mit der Reduktion von Zuschauern in roten Zonen wie in Nizza und Lyon. Das hatten wir seit dem Frühjahr schon im Blick und das haben wir seit dem Start so angewendet", sagte er der ARD.

14. Etappe, Samstag: Clermont-Ferrand - Lyon (194 Kilometer). 15. Etappe, Sonntag: Lyon - Grand Colombier (168,5 Kilometer/Bergetappe mit drei Bergen der ersten Kategorie und Ziel in 1501 Metern Höhe).