Nahost

Zum Nahost-Konflikt wäre es vielleicht gar nicht erst gekommen

Martin Rösch

Von Martin Rösch (Schopfheim)

Di, 16. Juni 2020

Leserbriefe

Zu: "Netanjahus riskantes Projekt", Beitrag von Inge Günther (Politik, 12. Juni)
Zum Bericht gehört ein Foto der jüdischen Siedlung Pisgat Zeev nördlich von Jerusalem. In der Erklärung wird die "von Israel besetzte West-Bank-Stadt Ramallah" erwähnt. Dazu muss ich bemerken: Ramallah ist schon lange nicht mehr israelisch besetzt. Es ist Sitz der palästinensischen Autonomiebehörde und gehört zur Zone A des Westjordanlands, in der diese Behörde allein das Sagen hat.

Wenn Politiker hierzulande einmütig eine Zwei-Staaten-Lösung propagieren und die Besetzung oder Annexion von Gebieten im Westjordanland verurteilen, übergehen sie die Konsequenzen der Konferenz von San Remo im Jahr 1920. Damals anerkannte der Oberste Rat der alliierten Mächte die "historische Verbindung des jüdischen Volkes zu Palästina und die Grundlage für die Wiederherstellung ihrer nationalen Heimstatt in diesem Land" – unter Wahrung der "bürgerlichen und religiösen Rechte der nicht-jüdischen Bevölkerung. Mit "Palästina" war das gesamte Gebiet zwischen Mittelmeer und Jordan gemeint. Hätte die arabische Seite dem Ergebnis jener Konferenz und damit der (Wieder-)Ansiedlung des jüdischen Volkes ebendort zugestimmt, wäre es zum Nahost-Konflikt gar nicht erst gekommen. Heute ließe sich der Konflikt auf der erwähnten Grundlage lösen.

Was aber tut die palästinensische Autonomiebehörde? Auf ihren Landkarten zeigt sie ein Palästina vom Mittelmeer bis zum Jordan. Ein Staat Israel kommt dort nicht vor. Martin Rösch, Schopfheim