Stipendium "Talent im Land"

15-jähriger Herbolzheimer will nach den Sternen greifen – und zur ESA

Ruth Seitz

Von Ruth Seitz

Sa, 16. November 2019 um 08:30 Uhr

Herbolzheim

Brian Bosch (15) aus Herbolzheim begeistert sich für Wissenschaft und ist einer von 50 Stipendiaten von "Talent im Land". Sein Ziel: Erst Physik studieren und dann zur Europäischen Weltraumorganisation ESA.

Brian Bosch hat es geschafft: Seit wenigen Tagen zählt er zu den 50 Stipendiaten von "Talent im Land" – und freut sich riesig darüber. Die 33 neuen Stipendiatinnen und 17 Stipendiaten wurden dieser Tage mit einem Festakt im Neuen Schloss in Stuttgart feierlich willkommen geheißen. Das vom Land und der Josef Wund Stiftung getragene Stipendienprogramm fördert begabte junge Menschen, die auf ihrem Weg zum Abitur Hürden zu überwinden haben, und soll allen Schülern gleichermaßen faire Bildungschancen bieten.

Astrophysik und schwarze Löcher

Astrophysik, Relativitätstheorie und schwarze Löcher – das interessiert Brian Bosch brennend. Seine Zukunftspläne: Physik studieren und später bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA arbeiten. Bereits mit 15 Jahren hat Brian Bosch einen klaren Plan, was er mit seinem Leben anfangen möchte, wo er später einmal hin möchte. "Das heißt aber nicht, dass ich nicht offen bin für Neues, vielleicht sogar Besseres", sagt er.

Vor vier Jahren kam er aus einem Kinderdorf in Ellwangen nach Herbolzheim zu seiner Pflegefamilie und besuchte die Emil-Dörle-Realschule. Seine Klassenlehrerin machte ihn auf das Stipendienprogramm aufmerksam, sein Lehrer Justin Preston schrieb ihm eine Empfehlung. Den Rest hat Brian Bosch alleine bestritten. Und das war nicht ganz einfach.

Drei Auswahlrunden bis zum Stipendium

Um ins Programm aufgenommen zu werden, musste er drei Runden durchlaufen. In der ersten Runden musste er eine Kurzbewerbung über sich verfassen – handschriftlich. Schon in der ersten Runde seien viele Mitbewerber "rausgeflogen", erzählt Brian Bosch. In einer zweiten Runde ging es dann detailliert um die Lebensverhältnisse, den Tagesablauf und das Freizeitverhalten – alles wieder handschriftlich verfasst.

Als auch diese Hürde geschafft war, wurde Brian Bosch mit rund 100 anderen Bewerbern nach Stuttgart eingeladen. Auf sie warteten knifflige Aufgaben, die zum Teil in der Gruppe gelöst werden mussten, außerdem ein 15-minütiges Gespräch mit der Jury. "Supernervös" sei er da gewesen, in der Nacht vorher habe er kaum geschlafen, erzählt er.

Auch die dritte Hürde hat Brian Bosch gemeistert und darf sich nun über Unterstützung durch das Stipendienprogramm freuen. Er erhält nicht nur eine finanzielle Förderung, sondern auch Beratung bei der Berufsorientierung und kann attraktive Bildungsangebote wahrnehmen.

Jury legt Wert auf Engagement

Wert gelegt hat die Jury auch auf das bisherige Engagement der jungen Menschen. Auch in diesem Punkt hat Brian Bosch einiges vorzuweisen: Zum einen war er an der Emil-Dörle-Realschule Schülersprecher und hat sich bei der SMV engagiert, nebenbei ist er noch einmal pro Woche in einem englischsprachigen Kindergarten in Herbolzheim tätig – was ihm großen Spaß macht, wie er sagt. Jetzt besucht er das Gymnasium St. Landolin in Ettenheim und ist in seiner neuen Klasse Klassensprecher. Der Wechsel von der Realschule ins Gymnasium hat ihn gefordert. In wenigen Wochen musste er drei Jahre Latein nachholen. "Wenn ich die Prüfung nicht geschafft hätte, hätte ich meine Sachen packen müssen", sagt er. Er hat sie geschafft.

Stipendienprogramm bringt neue Kontakte

Dass seine Pflegemutter und seine Stiefschwester in Stuttgart bei der Festveranstaltung dabei waren, hat Brian Bosch sehr gefreut, dass er durch das Stipendienprogramm neue Kontakte mit anderen Jugendlichen knüpfen kann, freut ihn ebenso. Im Rahmen des Programms gibt es sogenannte Ortsgruppen von "Talent im Land" – Brian Boschs Gruppe ist in Freiburg. Die jungen Menschen treffen sich, können auf die Betreuung durch zwei Coaches zählen und gemeinsam Bildungsangebote absolvieren.

Jedes halbe Jahr wird Brian Bosch nun zu seinem Zeugnis einen Bericht verfassen und der Stiftung zukommen lassen, seine Förderung läuft bis zum Abitur. Doch jetzt freut er sich erst einmal auf seine weitere Schulzeit, eine Studienfahrt nach England und spannende Begegnungen mit den anderen Stipendiaten.