3,45 Prozent mehr Rente von Juli an

dpa,bz

Von dpa & BZ-Redaktion

Sa, 21. März 2020

Deutschland

Weil die Löhne gestiegen sind, legen auch die Altersbezüge der Menschen deutlich zu – am stärksten in Ostdeutschland.

BERLIN (dpa/BZ). Die rund 21 Millionen Rentner in Deutschland können sich auf eine spürbar höhere Rente vom Sommer an freuen. In Westdeutschland steigen die Altersbezüge um 3,45 Prozent, im Osten um 4,2 Prozent. Das teilte das Sozialministerium mit. Damit wachsen die Renten am 1. Juli noch etwas stärker als zunächst vorhergesagt.

Eine monatliche Rente von 1000 Euro, die nur auf West-Beiträgen beruht, erhöht sich um 34,50 Euro, eine gleich hohe Rente mit Ost-Beiträgen um 42,20 Euro. Die Renten in Ostdeutschland nähern sich damit weiter an die Westbezüge an. Der Rentenwert im Osten steigt auf 97,2 Prozent des Rentenwerts West. Bis zum Jahr 2024 soll er auf 100 Prozent klettern.

Der Rentenwert gibt konkret in Euro an, wie viel ein Entgeltpunkt in der Rentenversicherung wert ist. Ein Entgeltpunkt – berechnet anhand einer komplizierten Formel – ist maßgeblich für die Höhe der Rente. Das Rentenniveau beträgt 48,21 Prozent. Dieser Wert zeigt an, wie hoch das Absicherungsniveau der Rente im Vergleich zu den Löhnen ist.

Grundlage für die Rentenanpassung ist die Lohnentwicklung 2019. Die für die Rentenanpassung relevante Lohnsteigerung beträgt 3,28 Prozent in den alten Bundesländern und 3,83 Prozent im Osten. Auch die Beitragsentwicklung und das Verhältnis von Beitragszahlern und Rentnern spielen eine Rolle. Die Folgen der Corona-Krise für die Wirtschaft sind noch nicht berücksichtigt. Auf die Rentenerhöhung im Juli hat das keine Auswirkung. Eine etwaige Rezession würde sich erst von Sommer 2021 an bei den Renten bemerkbar machen.

Schon in den vergangenen Jahren waren die Renten mitunter deutlich gestiegen. 2019 hatten die Bezüge im Westen um 3,18 Prozent zugelegt, im Osten um 3,91 Prozent. 2018 waren es 3,22 Prozent (West) und 3,37 Prozent (Ost). Sozialminister Hubertus Heil (SPD) betonte: "Auch in ungewissen Zeiten steht die Rentenversicherung für Verlässlichkeit." Die Rentenerhöhung sichere den Rentnern ihre Teilhabe an der zuletzt guten wirtschaftlichen Entwicklung.

Mit dem Übertritt der geburtenstarken Jahrgänge in die Rente kommen jedoch in den nächsten Jahren weniger Beitragszahler auf zahlreichere Rentner. Der Beitragssatz von 18,6 Prozent dürfte laut Rentenversicherungsbericht bis 2024 stabil bleiben. Bis 2025 darf er laut Gesetz auch nicht über 20 Prozent steigen. In den Jahren danach dürften die Beitragszahler stärker zur Kasse gebeten werden.

Die Rentenerhöhung im Sommer dürfte dem Staat als Nebeneffekt zusätzliche Einkommensteuer in dreistelliger Millionenhöhe bringen, denn viele Rentner müssen ihre Altersbezüge versteuern. Aufgrund einer zunächst niedriger vorhergesagten Rentensteigerung war das Bundesfinanzministerium bereits von 420 Millionen Euro Steuermehreinnahmen ausgegangen. 2019 waren es 390 Millionen Euro gewesen, in den Jahren zuvor 350 Millionen und 220 Millionen.

Ende kommender Woche soll das Thema der weiteren Entwicklung der Rente in den Fokus rücken. Trotz vieler Absagen derzeit soll eine geplante Präsentation des Berichts der Rentenkommission stattfinden. Die Regierung hatte das Gremium aus Politikern, Sozialpartnern und Experten eingesetzt, um das Rentensystem zukunftsfest zu machen. Heil sagte: Gute, zielführende Ideen der Kommission wolle er noch vor der Bundestagswahl im Herbst 2021 auf den Weg bringen.