Nordwestschweiz

400 Einsatzkräfte proben Ernstfall im neuen Aargauer Eisenbahntunnel

Monika Olheide

Von Monika Olheide

Do, 20. August 2020 um 14:40 Uhr

Aargau

Am 6. November soll der neue Bözberg-Tunnel eröffnet werden. Nun probten Schweizer Blaulicht-Organisationen den Katastrophenfall.

Das angenommene Ereignis im fertiggestellten aber noch nicht eröffneten Bözberg-Eisenbahntunnel war denkbar furchtbar: Ein Personenzug kollidiert mit einem im Tunnel stehenden Bauzug. Vom Unfall betroffen: 150 Zugreisende, die in Sicherheit gebracht und versorgt werden mussten. Die SBB hat gemeinsam mit den Blaulichtorganisationen des Kantons Aargau bei dieser Übung Einsatz- und Evakuationsprozesse überprüft.

Das Ergebnis der Übung: "Mit der erfolgreichen Durchführung der Übung "Sissle 20" konnte die SBB als Betreiberin des 2,7 Kilometer langen Bözbergtunnels zeigen, dass sie die vorhandenen Einsatz- und Evakuationsprozesse beherrscht", heißt es in einer Mitteilung. Die Übung war notwendig, damit die SBB den Tunnel am 6. November in Betrieb nehmen kann.

Getestet wurden die Alarmierungsabläufe, die Zusammenarbeit der Rettungskräfte, die bestehenden Betriebs- und Interventionsprozesse sowie das Fluchtwegkonzept und das Verhalten des Instandhaltungspersonals im Ereignisfall. "Wo notwendig, werden die Konzepte angepasst und die Zusammenarbeit der Interventionskräfte optimiert. Damit wird sichergestellt, dass im Ernstfall die Aargauer Blaulichtorganisationen und die SBB-Rettungsdienste zuverlässig funktionieren", so das Departement Volkswirtschaft und Inneres des Kantons Aargau.

Eine zusätzliche Herausforderung stellte das Schutzkonzept wegen Covid-19 dar. Die insgesamt rund 600 Beteiligten mussten die vom BAG vorgeschriebenen Hygieneregeln einhalten. Zudem bestand eine Maskenpflicht für alle und die Kontaktdaten wurden registriert. Die Übung war so angelegt, dass eine personelle Trennung zwischen den Seiten Effingen und Schinznach-Dorf bestand, sodass eine möglichst geringe Durchmischung der im Einsatz stehenden Personen gewährleistet werden konnte.

Beim simulierten Großereignis waren 400 Einsatzkräfte, 50 Übungsleiter, Betriebspersonal und 150 Statisten involviert. Zu den beteiligten Rettungskräften gehörten neben der SBB-Rettungsdienste auch die Kantonspolizei, mehrere Feuerwehren aus der Region, der medizinische Rettungsdienst, der Kantonsärztliche Dienst DGS, die Vollzugsstelle Störfallvorsorge, die Sanität Aargau und das Care Team Aargau.

Nach der Rettungsübung kann die strategisch wichtige Verkehrsachse für den Nord-Süd-Verkehr in Betrieb genommen werden. Die Verlagerung des alpenquerenden Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene ist eines der Hauptziele der schweizerischen Verkehrspolitik. Mit dem Bau des neuen Bözbergtunnels entsteht eine Nord-Süd-Verbindung, die das Ziel der Verlagerung ermöglichen soll. Transporte von Sattelaufliegern mit einer Eckhöhe von bis zu vier Metern werden mit der neuen Tunnelröhre durch den Bözberg ermöglicht. April 2022 ist eine zweite Übung "Sissle 22" geplant, bei der der alte Bözbergtunnel als Dienst- und Rettungsstollen dienen soll.